18 März 2009

Schwimmflügelreport reloaded - der 7. Teil

Liebe Leserinnen und Leser!
Langsam geht es dem Ende zu . Die Tage werden länger, die Temperaturen steigen hoffentlich irgendwann und mich packt wieder die Sehnsucht nach dem Freibad. Zudem könnte es aufgrund unserer „tollen“ Gesundheitspolitik durchaus sein, dass mir notwendige Maßnahmen nicht weiter verordnet werden, was mir die Luft aus den Schwimmflügeln nimmt.

Aber noch ist es nicht soweit. Noch sind wir mittendrin, im Anmachstrudel und das können Sie heute wörtlich nehmen! Heute wird es strudelig. Und um es gleich vorwegzunehmen, es handelt sich nicht um leckeren Apfel- oder Quarkstrudel (für meine österreichischen Leserinnen und Leser, die mir immer wieder so nett schreiben: Topfenstrudel!) mit Vanillesoße oder Schlagsahne (Schlagobers). Wäre auch zu schön, um wahr zu sein und Sie können mir eines glauben, wenn ich solchen Strudel sehe, ist der Strudel aber ganz schnell verschwunden. In meinem Bauch.

Ein Strudelbecken allerdings kann man nicht essen. Man kann es dennoch durchaus als Anmachzone Nummer 1 bezeichnen.
Wenn der Kreisel in der Mitte dieses Beckens strömt und strudelt, was durch eine Umwälzpumpe sogtechnisch passiert, dann verliert gerne der ein oder andere Schwimmer die Bodenhaftung und prallt mit einem „Oh! Entschuldigung“ und einem lauten Lachen gegen den Vorder- oder Seitenmann. Gerne genommen auch der Hintermann, wenn man sich festhält oder versucht, gegen den Strom zu schwimmen.

Als ich bei meinem letzten Besuch das Becken eroberte, in dem es genau eine Ecke gibt, in die die Sonne brennt, ging es bereits hoch her. Lachend und johlend strudelte die Kurschattenfront mit mehr oder weniger Körperkontakt durch den Strömungskanal und schäkerte, was das Zeug hielt.
Der Gipfel der Anmachstrudelei ist der Whirlpool in der Mitte, in dem man in trauter Zweisamkeit erste heimliche Fummeleien austauschte. Und ich habe das gesehen. Ich weiß wovon ich spreche, wenn ich sage, dass Hände gerne zu verbotenen Zonen wandern. Wenn dann das ein oder andere Körperteil nicht wieder korrekt verpackt wurde und die Herrschaften trunken vor Strudelzweisamkeit das Becken verlassen, kann es peinlich werden.
Besonders wenn das Dekolleté üppig um (nicht im) den Ausschnitt des Badeanzuges der Dame drapiert ist.
Aber was soll´s, wenn man bestrudelt ist und auf dem Hormontrip wandelt, stört es ja nicht wenn das ein oder andere Körperteil die Freiheit genießt. Zumindest die Betroffenen und mich auch nicht. Mich amüsiert es.

Spatzi und Schatzi strudelten übrigens auch. Liebevoll wie immer kicherten die beiden wie Teenager im Kreis und giggelten besonders, als der freigelegte Ausschnitt sich aus den Fluten erhob. Fröhlich winkten wir uns zu und grinsten.
Ich drapierte mich in meine Sonnenecke und genoss die wenigen Strahlen und die Ruhe. Denn wenn der Strudel nicht strudelt und in die Pausenschaltung geht, herrscht hier wirklich Stille. Ob es an diversen weiteren Fummeleien oder an der Erschöpfung liegt, weiß ich nicht.
Ich sah mich mit einem Auge im Dämmerzustand um und bemerkte, dass die Badehaube Marke „Ich wollt, ich könnte“, ein Textilmodell mit breitem weißem Streifen mittig, sich vorsichtig anpirschte. Dieses Modell trägt besonders der konservative Herr, der sich doch auch einmal traut. Meist ist er etwas fülliger, will aber durch das eher schlichte Accessoire auf seinem Haupt entweder Haarmangel verdecken, oder sportlich wirken.
Unter „Ich woll, ich könnte“ war ein älterer Herr, der sich die Augen nach meinem Ausschnitt ausrenkte. Da ich ein wenig das böse Mädchen bin, habe ich dem Herrn auch einen Blick gegönnt und meinen gut verpackten Oberkörper sanft aus den Fluten gehoben und ihn genüsslich wieder versenkt.
Was den Herrn animierte, noch ein Stück näher zu kommen.
Das ging so lange, bis Badekappe samt Träger auf einen Meter herangekommen waren. Was mich dann doch dazu bewegte, einen Meter nach links zu rutschen.

„Ein schöner Tag gell?“
„Hmhm“
„Sind Sie öfter da?“
„Hmhm“
„Sind Sie von hier?“
„Hmhm“
„Da haben Sie es aber schön!“
„Hmhm“
„Kommen Sie regelmäßig?“
„Geht so.“
„Ich würde das schon!“
„Hmhm“
„Es ist ja so schön hier!“
„Hmhm“
„Ich esse ja wahnsinnig gerne Torte!“
„Hmhm“
„Sie auch? Sie sehen aus, als wären Sie Genussmensch!“
„Nein!“
„Mögen Sie Schwarzwälder?“
„Nein!“
„Schokotorte?“
„Nein!“
„Aber ein Stück Prinzregenten!“
„Nein!“
„Eistorte? Mit einem Glas Champagner?“
„Nein!“
„Essen Sie überhaupt?“
„Durchaus!“
„Wann?“
„Dann!“
„Wo?“
„Zuhause!“

Der Dialog ging immer einsilbiger weiter, die weiteren Tortensorten erspare ich Ihnen an dieser Stelle. Der Herr war gut informiert. Von A- wie Ananastorte bis Z wie Zitronensahne kannte er sie alle. Was das XXXL – Format des Mannes erklärte.
Wer der Teil war, der von Anfang an einsilbig antwortete, dürfte klar sein. Als ich dann am anderen Ende des Beckens (dem sonst eher belächelten Piepsignal zum Weiterrücken sei Dank!) angekommen war, musste ich raus. So ist die Regel. Und was kann ich dafür, dass die Leitung des Bades solche Regeln aufstellt, an die ich, die Schwimmerin, mich zu halten habe?
Mit einem knappen „Entschuldigung“ machte ich mich davon und verschwand …

Im Schlepptau übrigens Mr. XXXL, der nicht glauben konnte, dass er bei mir keine Landeerlaubnis bekam. Da er auch aus meiner Richtung gekommen war, konnte ich es nicht verhindern, verfolgt zu werden. Als mir aber Spatzi und Schatzi begegneten, die gerade eine Runde spazierten und mich freundlich ansprachen und mich über meine glückliche Beziehung ausfragten, war die Sache geritzt. Spatzi ist ja immer neugierig und freut sich, wenn sie auch jemanden trifft, der glücklich ist. Ich war glücklich. Einerseits bin ich es, weil ich Herzblatt habe und andererseits, weil Schatzi und Spatzi im richtigen Moment an der richtigen Stelle waren.

Übrigens, nur um es richtigzustellen: Ich mag durchaus Torte, aber nicht von und mit jedem!
In diesem Sinne, wie immer mit einem ;-)))
Herzlichst
Birgit Bauer
P.S. Nicht, dass Sie jetzt meinen, wenn der Schwimmflügelreport endet, gibt es keine neue Serie! Ganz im Gegenteil! Lassen Sie sich überraschen! Und noch haben wir ein wenig Stoff.
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