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29 Oktober 2009

How to be a Bikerbraut - Oder Stillstand!

Liebe Leserinnen und Leser,

tja, eigentlich sollte hier und heute eine andere Version der Serie über die Bikerbraut stehen. Doch leider kam alles anders. Der Führerschein ist verschoben. Denn mit einer streikenden Hand kann man kein Motorrad vernünftig fahren. Und somit lesen Sie heute meine Aufzeichnungen der letzten Tage. Ein wenig verärgert, traurig und mit schwarzem Humor.

Viel Spaß! Übrigens, mein Befinden bessert sich langsam, ich bitte sie also, auf die Vergangenheitsform zu achten!

Herzlichst
Birgit

Chronik einer Gestürzten!

Nein es geht mir nicht wirklich gut. Ich finde es gemein, dass ich MS habe und ich bin sauer.
Es begann am Mittwoch den 21.10.2009. Da war dieses Kribbeln, das sich anfühlte, als wäre mein Arm eingeschlafen.
Donnerstag. Der Sturzhelm sitzt. Ich auch. Auf meinem Hintern, in einer Pfütze auf der Straße und fluche. Maschine jault, ich werde ordinär. Ich kann wenigstens fluchen wie ein hartgesottener Biker, wenn mir meine Krankheit schon das Fahren erschwert. Fu …. .. Meine Coolness liegt irgendwo im Dreck. Meinen Mut suche ich noch. Liegt wahrscheinlich von einem Auto überrollt im Straßengraben. Aber was soll´s. Ich stehe auf und fahre weiter. Trotzdem. Allerdings mit einem Begleiter auf dem Sozius, den ich nicht mag: Unsicherheit.

Diagnose: Schub rechte Hand, gefühllos ohne Ende, direkter Kontakt mit Stoff fühlt sich an wie Schmirgelpapier, meine rechte Wade schillert in schönsten Herbstfarben und tut weh. Aber wenigstens ist sie stylish. Hat auch was. Irgendwie. Meine Karriere als Biker hat jetzt schon zwei edle Blutergüsse produziert. Nicht jeder hat das! Man muss sich eben manchmal Dinge schönreden. ;-)

Donnerstagabend: Der Arzt zeigt mir die Rote Karte. Alles steht. MS verlangt Einzelhaft für die verkappte Bikerbraut. Sie baut mir eine Zelle aus Frust, Trauer und Wut. Man hängt mich an die Infusionspulle. Eklig, aber notwendig. Bin jetzt ein Flaschenkind.
Es ist der Kinnhaken für Fräulein Trulla: ein kräftiger Schuss Kortison mit einer wuchtigen Dosis Naturheilkunde. Sie gibt sich nicht geschlagen. Will die Machtverhältnisse klarstellen. Ich übrigens auch.
Wochenende: Frust. Seelenpflege unfruchtbar. Ich werde langsamer und langsamer. Wohne in meiner Kuhle auf dem Sofa und leide. Das Schlimmste sind die Nichtschmerzen und das ungute Kribbeln. Schwer beschreibbar. Es nervt. Macht mich kirre. Bade in Tränen, esse pfundweise Schokolade und versinke in Traumlandschaften, in denen alles gut ist. Stelle mir den Moment vor, in dem mich wieder fit fühle. Herzblatt versucht, mich zu tragen. Schwierig, wenn man sich eine kernige Frau mit einem Zentner Frust auf die Schultern packt, die noch dazu an steigendem Schokoladenkonsum leidet. Der Arme. Er schafft es nicht, ich kann nicht helfen und leide an zerrissenem Herzen und der aufkeimenden Erkenntnis, dass ich es hätte wissen müssen. Ein sittsames Fräulein Trulla fährt nicht auf einem Motorrad. Und wenn sie nicht will, bin ich ihr ausgeliefert.

Was folgt ist ein Desaster: neuer Sturz am Montag. Weil unsicher, aber mutig, keine Verletzungen außer Seelenkerben. Das Eingeständnis, dass in mir eine unheilbare Krankheit wohnt, meinen Körper dazu bringt, sich selbst zu attackieren. MS heißt Selbstzerstörung.
Etwas, das ich im Moment nicht ertrage. Denn ich will doch nur eins: Leben. Gerne mit MS, aber auch mit Qualität. Dabei war es schon so. Es ist verschwunden. War Murphy mit Trulla verbündet? Die Konsequenz: Weltenverschiebung. Mein Traum rückt in ein anderes Universum. Schwebt greifbar nah und ist doch so weit. Das Sicherheitsrisiko ist zu hoch. Aufgabe. Weil der Schub krasser als vermutet ist. Ich kriege weiter Kortison. Bleibe ein Flaschenkind.
Das Fräulein sitzt jetzt in rechter Schulter und geht bis in die Fingerspitzen. Ich meine ständig, mein Arm ist nass. Ist er aber nicht. Sendestörung. Der Sender erreicht den Empfänger nicht. E.T. kann nicht nach Hause telefonieren.
Seine Verbindung ist temporär unterbrochen. Ich weiß auch, dass ich es überleben werde. Irgendwie. Aber wie hoch wird der Preis dafür sein, wenn man bedenkt, wie groß die Menge der verwandten Substanzen ist? Könnte ich im Laden um die Ecke nach einer Tüte Überleben fragen, solange, bis ich wieder selbst laufen kann, wäre das klasse. Doch das gibt es nicht. Ist ausverkauft. Sagt Fräulein Trulla in ihrer pragmatischen Art und bittet mich zurück aufs Sofa. Sofas sind gut. Sagt sie. Für Couch-Potatoes schon, für mich nicht wirklich. Sage ich. Meine Konzentration, liegt auf meinem Arm, um ihm seine Flausen auszutreiben und er nicht faul an mir herabhängt wie ein nasser Sack.

Was soll´s. Shit Happens. Und was bleibt? Der schwarze Humor. Die Tatsache, dass ich noch lebe. Wenigstens etwas. Oder? Manchmal reicht der Gedanke an die blanke Existenz, um sich zu freuen. Mir ist so. Es könnte ja auch schlimmer sein. Hab ja noch ne linke Pfote. Werde ich eben Linkshänder. Irgendwie. Man muss dort ersetzen, wo Mangel entsteht. Das kann der Körper bis zu einem bestimmten Punkt. Sagen die Ärzte. Ich glaube daran. Versuche, meine Wut in positive Energie zu wandeln.

Bis dahin tröste ich mich mit geschätzten 5 Kilo Schokoladeneis, 4 Kilo Schokolade und gefühlten Millionen von Küssen, Komplimenten und mich umsorgenden Umarmungen von Herzblatt, der mir sagt, meine Überlebensfähigkeit bestätigt und dass das nur ein endlicher Zeitraum meines Lebens ist, der eben die gemeine Seite zeigt.

Eine Seite, die meine Lieblingszweifler bestätigen wird. Ich gratuliere Ihnen, denn Sie wussten es ja immer! Ich höre ihr Grinsen und sehe das Kopfschütteln.
Aber es gibt auch die andere Seite. Die Seite der Menschen, die von mir behaupten, dass ich über Stärke verfüge. Weil ich immer stark war. Auch, wenn es gar nicht danach aussah und mich manch einer schon für tot erklärt hat. Im übertragenen Sinne. Aber ich bin da und ich werde da sein, wenn ich wieder genug Kraft habe, denn wie heißt es so schön: Totgeglaubte leben länger!

Geisterhafte Grüße
Birgit

P.S. Wer mehr über mein Leben mit MS lesen möchte und gerne informiert ist, den lade ich herzlich auf meinem Blog auf der Onlineplattform der Frauenzeitschrift "Brigitte" ein. Dort gibt es fast täglich Gedanken, viele Kommentare (von denen man ja nie genug haben kann) und Erlebnisse aus meiner Welt zu lesen. http://blog.brigitte.de/multiplesklerose/

30 September 2009

How to be a Bikerbraut - Teil 5!

Es ist viel passiert …

Ja, ich gebe es zu: Ich war nachlässig und habe Sie nicht mit Neuigkeiten versorgt. Etwas, das ich heute nachholen möchte.

Wie schon im Titel steht: Es ist viel passiert.

Diäterfolge: Eine Motorradhose ist genial zum Vertreiben von diversen Dellen an Hüften und Oberschenkeln. Schweinehündin überlegt, ob sie sich eine schicke Lederjacke kaufen sollte und nachdem ja ihr Freund, der hellblaue Schweinehund auch ein Biker wurde (zwangsweise, versteht sich!) zieht sie mit. Wir lösen also in regelmässigen Abständen unsere Seilschaft an der Couch – Nordwand auf und schwingen uns auf das Motorrad, das ich „Diva“ getauft habe. Es ist ein wenig zickig und benimmt sich wie eine Diva. Und wer mich kennt, der weiß, dass auch ich gerne ein wenig divenmässig unterwegs bin, sodass wir uns regelmässig anzickten, jetzt aber nach und nach Freundinnen werden, besonders, seit ich die glänzende, schwarze Schönheit flachgelegt habe. Was Sie gerne hier http://blog.brigitte.de/multiplesklerose/2009/09/flachgelegt-.html nachlesen können.

Divendiskussionen: Diva und ich, eine besondere Beziehung. Die schwarze Schönheit ist sehr sensibel. Es erfordert einiger Diskussionen, was den Umgang mit ihr betrifft, aber es wird.
Ihr Bremshebel zum Beispiel. Man könnte ihn als extrem erogene Zone bezeichnen. Kitzelt man sie nur ein wenig an diesem Hebel, hoppelt sie gerne wie ein kleiner Hase. Es galt also, in den ersten beiden Fahrstunden herauszufinden, wie sensibel ich mit der Diva umgehen muss. Etwas, das aber mittlerweile perfekt funktioniert, nachdem ich einen Tipp bekommen hatte. Er kam von Herzblatt, der ja einen Kollegen von Diva hat und der zwar die Hand auf den Bremshebel legt, aber im Falle des nötigen und sensiblen Bremsens nur den kleinen Finger und den Ringfinger benützt, um sanft und mit Streicheleinheit zu bremsen. Funktioniert! Ich kann also sanft und geschmeidig zum Stillstand gelangen oder mal eben kraftvoll zugreifen. Dann bremsen wir ruckartig und mit wenig Bremsweg. Denn auch das will beherrscht sein.

Rein theoretisch! Die theoretische Führerscheinprüfung stand an. Während ich sicher war, dass ich souverän und als die Ruhe selbst, in die Prüfung gehen würde, spielten mir meine Nerven einen gewaltigen Streich. Ich hatte bereits vergessen, wie es ist, wenn man im Fünf – Minuten – Takt auf die Toilette muss und nervös an den Nägeln kaut. Jetzt weiß ich wieder, wie das ist. Aber ich habs trotzdem geschafft.

Achtung Werbung: Ein Thema, das auch auf dem Brigitte-Blog lief. Nur mal so gesagt. Sie sollten also wirklich den oben genannten Link nützen und sich einlesen! :-) Werbung Ende!

Mein Tipp: Haben Sie immer einen Helden parat! Das ist ungemein hilfreich! Wirklich!

Es war vor einigen Wochen, als wir in einer kleinen Gruppe Fahrschüler um das Motorrad standen, um das gute Stück näher kennenzulernen. Es ging um Technik. Im allgemeinen und besonderen. So ein Motorrad ist eine spannende Angelegenheit, die sogar mich interessiert. Der Motor ist übersichtlich und mich fasziniert, wie man so viel Kraft auf so kleinem Raum verstauen und fahren kann. Ich mag es, die Kette zu schmieren, wenn wir im Regen fuhren und das Motorrad zu waschen.
Unser Blick wurde vom Fachmann auf das Cockpit gelenkt, Dort befinden sich einige nette Warnleuchten, die man bereits aus dem Auto kennt. Unter anderem auch die Warnlampe für das Öl. Was macht man, wenn das leuchtet? Das war die Preisfrage. Meine Antwort: „Ich fahr rechts ran, hole das Handy aus der Tasche und rufe einen Pannendienst oder einen meiner Helden und warte dann eben, bis einer kommt!“
Leider war das eine typische Frauenantwort, weibliche Technik eben, die nicht ganz auf das Verständnis traf, das ich mir erhofft hatte. Da Technik nicht wirklich eine meiner Stärken ist, hole ich mir in rotleuchtenden Fällen einen Helden zur Hilfe, der sich besser auskennt. Für was gibt es wohl Schutzbriefe, gelbe Engel und Herzblätter?

Meine Antwort stellte den Fachmann nicht zufrieden und er fragte mich, was denn das wäre. „Öllämpchen!“, war meine knappe Antwort. Was dann passiert? Äh, ok, weiß ich nicht so ganz genau, aber ich stehe doch sowieso schon am Straßenrand und hole Helden. Oder ich erinnere mich, was mir mein Fachmann erzählt hat.
Gegenfrage: „Was hat der Fachmann dann gesagt?“
Gegenantwort von mir: „Das kann ich doch nicht sagen, ich weiß das noch gar nicht, ich muss erst mal informiert werden!“
Mit einem freundlichen Lächeln und erwartungsvollem Blick sah ich dann den netten Fachmann an, den ich damit charmant ausgehebelt hatte.

Tut mir ja auch leid, dass Gedankenlesen und Weissagungen nicht auf meinem Stundenplan standen, sodass man mir erst Wissen geben muss, damit ich es behalten und weitergeben kann.
In diesem Sinne, ich bin jetzt informiert, bevorzuge aber trotzdem Helden, denn meist neige ich dazu, mich in Notfällen zuerst an die Helden zu erinnern als an die Informationen aus einem Technikunterricht.

Also: Immer schön ans Handy und die Helden denken und bitte, behandeln Sie Diven immer vorsichtig! Sonst raunzen sie grimmig. Wie meine Diva, als ich neulich ein wenig heftig an ihrem Gashebel drehte! Böses Knurren sag ich nur!

Herzlichst und wie immer mit einem Augenzwinkern!
Birgit Bauer

01 September 2009

How to be a Bikerbraut! Teil 4! Harleys, Beleidigungen, Reiskocher und Angsthasen!

Lassen Sie uns einen Moment über die Königsklasse der Motorräder fachsimpeln. Der Kultmarke, die jeder kennt. Harley Davidson. Zugegeben, diese Bikes sind teilweise richtig genial. Manchmal sind sie Geschmackssache und sehr individuell, aber: HD ist Kult.

Für uns ist allerdings unsere Honda derzeit der Star. Wir mögen die Technik und auch das Bike an sich. Man sagt auch ganz liderlich „Reiskocher“ zu unserer Maschine und das, was wir bei einem Ausflug herausfanden, brachte uns zum Grinsen.

Bevor ich erzähle, entschuldige ich mich hochoffiziell für meinen Ton, sämtliche mögliche Beleidigungen und andere Lästereien. Allerdings: Wer mein Motorrad als Reiskocher bezeichnet muss sich das gefallen lassen.

Wir waren unterwegs und hatten beschlossen, in einem netten Ort eine Pause einzulegen. Der Vorteil von Motorrädern ist, dass man meist direkt vor den Lokalen einen Parkplatz findet. So auch in diesem Fall. Herzblatt entdeckte einen freien Platz neben einer anderen Maschine, parkte, wir stiegen ab und setzten uns in den Garten. Am Nebentisch zischelte es. „Stellt seinen Reiskocher neben unsere Maschine, was bildet sich der ein?“ „Der kennt sich nicht aus! Voll krasse Anfänger!“ Wer mich kennt weiß, dass ich in solchen Fällen ganz lange Ohren bekomme und mein Radar auf Hochleistung scant.
Es zischelte hin und zischelte her und als ich mich grinsend offen umwandte und mir unsere Nachbarn genauer ansah, wußte ich schnell, was wir gerade getan hatten: Wir hatten Ihre Majestät beleidigt. Die individuell getunte Harley unseres Tischnachbarn.
Der saß mit ganz vielen Tatoos verziert auf seinem Stuhl, löffelte beunruhigt einen Eiskaffee und mahnte zum Aufbruch. Seine Begleiterin, eine eher aufgemotzte und ebenfalls getunte Dame musterte mich, die übrigens in ordnungsgemäßer Schutzkleidung steckte und leicht verknautscht aussah, abfällig. Ich grinste und warf einen Blick auf den Parkplatz. Da stand unser neuer, sympathischer und zuverlässiger Reiskocher also neben der Harley. Böses Foul.

Während ich mir in aller Gemütsruhe mein Eis genehmigte, wurde die Harley-Front nervöser und nervöser. Ich habe noch nie jemanden so fluchtartig Eis verschlingen und nach der Bedienung schreien sehen. Innerhalb von wenigen Minuten waren die beiden auf dem Weg. Er rangierte sein Schätzchen vorsichtig aus. Grimmigen Blickes setzte er einen Helm auf und gab den Coolen. Nur so am Rande bemerkt, der Helm war kein Helm, es war eine Beleidigung, den hätte sich der gute Mann wirklich sparen können.
Seine Begleiterin, deren getunte Oberweite kaum ins Jäckchen passte, musste sogar auf der Straße aufsitzen. Ein Umstand, der der Gnädigsten nicht wirklich zusagte. Hoheitsvoll kletterte sie auf ihren Sitz und sah mich giftig an. Ich beobachtete mittlerweile ungeniert das Treiben des aufgebrachten Bikerkollegen und grinste frech.
Mit aufheulendem Motor fuhr der geschulte Biker mit seinem Schätzchen davon und es würde mich nicht wundern, wenn er sofort den nächsten Waschplatz aufgesucht hätte, um seine HD keimfrei zu machen. Wo wir uns mit unserer Honda erdreisteten, einfach neben ihm zu parken.
Dabei dachte ich immer die Harley Jungs sind etwas entspannter, wo sie doch immer so tun. Aber, was lernten wir noch? Wir werden von denen auch nicht gegrüßt. Gott sei Dank gibt es Harley Tanja und ihren Süßen, die das Gegenteil sind und so die unentspannte Fraktion retten. Ach ja, über meinen Reiskocher lasse ich gar nichts kommen! Nur damit jeder Bescheid weiß! Ich bin verknallt in dieses Bike!

Kommen wir zum Ponyreiten! H.W., seines Zeichens mein Fahrlehrer, der sein Pony „Dingerl“ nennt, bringt mir gerade Bremsen und Grundfahrübungen bei.
Was lernten wir? Eine Vollbremsung mit Bremsspur kostet ein Weißbier. Derzeit muss ich ein Weißbier ausgeben. Vollbremsungen sind allerdings noch nicht mein Ding. Ich muss noch das Mittelmaß zwischen Bremsspur und vernünftiger Vollbremsung finden.

Neuerdings nennt mich der Herr Fahrlehrer auch gerne „kleiner Angsthase“ und meint, er könne einen Fuß in die Straße strecken, so langsam würde ich bremsen. Aber er sagt auch, ich könne mit Herzblatt schon einen Achter ausfahren, die kriege ich nämlich enger als er hin. Ha! Sagt noch einer, ich wäre untalentiert. Slalom finde ich übrigens mehr als genial, das macht Spaß. „Wirf die Maschine um die Kurve“, erzählt mir H.W. per Funk und freut sich ein Loch in den Bauch, wenn ich richtig schön den Slalomhaken kriege.
Und überhaupt, nehmen Sie sich ab sofort in Acht: Ich fahre jetzt im öffentlichen Verkehr! Die Zeiten des Benzinponyreitens sind auch gelaufen, ich darf in Kürze auf das Benzinpferd. Die große 600er. Und darauf freue ich mir nun ein Loch in den Bauch.

Übrigens: Motorradfahren in voller Montur ist Schweinehündins größte Sorge. Sie erinnern sich doch noch an die Schweinehündin aus „Projekt fabelhaft“?

Sie hat ein wirklich heißes Problem bekommen. Wenn man lernt, fährt man nicht schnell, was heißt, dass es nur wenig Abkühlung gibt. Was wiederum heißt, dass man ordentlich schwitzt. Diese Tatsache bedeutet, dass ich nach jeder Fahrstunde triefe und friedlich grinsend vor mich hin tröpfle und jedes Mal wie frisch aus der Dusche in die Dusche springe. Man könnte ja auch sagen, ich sondere üble Giftstoffe ab und verliere Gewicht. Etwas, was der Schweinehündin gar nicht passt. Zerre ich sie doch regelmäßig von ihrem Platz auf dem Sofa, wo sie sich neben Schweinehund räkelt und Süssigkeiten in sich hineinstopft. Quietschend muss sie aber mit, trägt eine alte Fliegerhaube und eine Lederjacke und hat ihre pinkfarbenen Stulpen gegen Bikerboots ausgetauscht. Das findet sie noch gut. Immer nur Pink wurde ihr langweilig. Aber auf das Motorrad und mitschwitzen ist ihr ein Graus. Während sie gemütlich auf dem Sofa liegen könnte, wird sie nun einer etwas anderen Diät ausgesetzt. Der Motorraddiät und das mag Schweinehündin nun gar nicht. Denn danach habe ich keine Lust auf Schokolade, während sie schon wieder Schielaugen nach selbiger macht. Aber da muss sie durch.

In diesem Sinne, ich empfehle die Bikerbrautdiät und werde nächstens über meine Fortschritte in Sachen Bremsmanöver und Helden berichten!

Herzlichst
Birgit , die sich fragt, ob es solche Sprüche wie "Petri Heil" "Gut Holz" oder "Hals- und Beinbruch" auch für Motorradfahrer gibt! Anregungen und Ideen sind herzlich willkommen!
P.S: Falls Sie die Sommerserie nicht von Anfang an verfolgt haben und nachlesen wollen:

19 August 2009

How to be a Bikerbraut - Teil 3 Von Träumen, Benzinpferden und Aliens!

Liebe Leserinnen und Leser!
Ganz ehrlich, ein wenig Schiß hatte ich sehr wohl, als Herzblatt das erste Mal ankam und mich mit mitnehmen wollte. Ich saß vorher noch nie auf einem Motorrad und rätselte, wie ich drauf kam und wo ich mich festhalten sollte.
In meine Klamotten gehüllt stand ich vor dem Haus und betrachtete die Sache genauer. Mittlerweile hatten wir unser eigenes Motorrad und waren sehr glücklich damit. Herzblatt, der Souveräne bestieg als seinen vorderen Teil der Sitzbank, setzte sich lässig den Helm auf und meinte, ich soll jetzt auch. Alles klar. Ich, die Ungelenkige soll also hinter dem Mann auf das Teil, auf dem hinter mir ein Topcase ist. By the way, ein Topcase ist quasi der Kofferraum und ist hinter der Sitzbank befestigt.

Ich beschloss, zuerst den Helm aufzusetzen. Das war allein eine Sache für sich. Während er vor Lachen fast vom Motorrad fiel, weil er sich so über meine Taktik, den Helm aufzusetzen amüsierte, ärgerte ich mich. Was konnte ich für meinen großen Kopf? Einige Versuche machte ich es radikal, setzte das Teil auf den Kopf und drückte von oben nach unten und siehe da: Es passte.

„E.T. nach Hause telefonieren!“ grinste ich dumpf unter meinem Helm hervor. Dann musste E.T., also ich, auf das Zweirad. Schnaufend versuchte ich mein rechtes Bein irgendwie übers Motorrad zu transportieren und aufzusitzen. Ich, das Alien, packte ich also mein Bein und legte es auf die Sitzbank. Trotz schieben und drücken wollte es aber nicht über die Maschine und löste bei mir einen Lachanfall aus, sodass ich es wieder zurückzog, schwankend und ächzend anschließend wieder mit beiden Beinen auf der Erde stand. Das wiederum produzierte einen erneuten Lacher, weil ich mein Visier noch geschlossen hatte und mit dem Finger, beim Versuch, die Tränen zu trocknen, abprallte.

Nächster Versuch: Ich, mit offenem Visier betrachtete die Technik am Motorrad genauer. Der Abstand zwischen Mann und Top Case war klein. Darüber robben fiel also aus. Dann nötigte ich Herzblatt, mich zuerst aufsteigen zu lassen, wenn die Maschine auf dem Hauptständer stand, was aber auch nicht funktionierte, da der Hauptständer des Teils mit uns beiden als zusätzliche Gewichtsbelastung nicht mehr zurückschnappte.

Die Abstellpedale für den Beifahrer waren die Lösung. In meinem Wahn elegant und cool aufsitzen zu wollen, hatte ich sie mißachtet.
Aufsteigen wie beim Pferd (der geneigte Leser beachte jetzt den Bezug von Pferd!) und drüberschwingen. Ob Herzblatt das noch ausbalancieren konnte? Ich, das olle Alien mit dem dicken Fingerabdruck auf dem Raumhelm hievte mich ächzend an den Schultern meines Fahrers festgekrallt über das Motorrad und landete nicht gerade sanft auf meinem Platz.
Als ich mich umsah, sah ich lachende Gesichter an den Fenstern. Mein äußerst uneleganter Auftritt war nicht unbemerkt geblieben. War mir aber egal, ich saß jetzt auf der Maschine, die nun gestartet war und wartete auf die Abfahrt, die eher ruckartig verlief und mich dazu nötigte, mich an Herzblatt festzukrallen. Was aber gar nicht schlecht ist. Kann man gut ankuscheln.

Unsere erste Ausfahrt war angenehm. Wir hatten Klopfzeichen vereinbart, zweimal auf der linken Seite, wenn es mir zu schnell wurde und rechts, wenn er Gas geben konnte. Raten Sie mal, welche Seite mehr beansprucht wurde!
Und ich wette, Sie haben links gewählt, womit Sie absolut recht haben.

Die nächste Alienvorstellung gab ich dann, als ich wieder absteigen sollte. Nachdem ein dickes Junibummerl (fettes Hummelgetier das im Juni nur so daherschwirrt und ein bisschen dümmlich überall zu landen versucht und kläglich scheitert!) sich an meinem Gesicht erschrocken und bestimmt an dem Schreck gestorben und dann an meinem Visier herabgerutscht war, kamen wir zurück. Mein erster Ausflug war klasse und ich dachte bereits seit gefühlten 10 Kilometern über den Abstieg nach. Würde es auch mein Abstieg in die Unterklasse aller Bikerbräute sein?
Ich will Ihnen den geistigen Anblick meiner leicht verdrehten und ächzenden Figur ersparen, aber ich kann Ihnen eines sagen, ich kam vom Bike. Irgendwie. Und ich blickte in grinsende Gesichter, als ich mich ächzend und leicht verknautscht umsah. Dazu kam, dass ich mich an die platte Matte a la Bikerbrauthelm erst gewöhnen musste. War mir aber alles egal. Ich war gerade wie ein Cowgirl mit Herzblatt in den Sonnenuntergang geritten und das erzählte ich ihm auch.

„Dann hat unser Benzinpferd ja gute Dienste geleistet oder?“, grinste er und klopfte dem „Benzinpferd“ freundlich auf den Tank, äh, die Flanke. Oder so.
Seither reiten wir auf unserem Benzinpferd. Ich, um meinen Look aufzupeppen, mit einem Cowboyeinstecktuch, das ich so binde, dass ich auch eine Bank überfallen könnte und er hält die Zügel, äh, den Lenker. Sie wissen schon.

Das war vor geschätzten acht Wochen. Heute steige ich eleganter auf und plumpse nicht mehr, sondern setze mich sanft ab. Mit dem Absteigen habe ich immer noch Probleme. Das übe ich noch, zumal ich meist mit meinen „Gebeinen“ etwas Probleme habe, die bei längeren Fahrten ein wenig steif werden. Aber auch das wird sich wohl noch geben. Damit ich noch schicker aussehe, wenn ich mich mit meinem neuen Look vom Bike schwinge. Ich investiere nämlich in Tücher und Accessoires, die klein, aber fein sind.
Kurven sind jetzt Spaß und ich lache immer, wenn ich an Angelika und ihren beschwingten Tipp denke. Das war mir am Anfang immer eine Hilfe, ihre Stimme und ihr Lachen im Kopf zu haben und zu hören: „In Kurven musst du mitschwingen!“

Mittlerweile reagiere ich auch automatisch auf die Bewegungen unter mir und gehe mit. Ich bin ein guter Beifahrer. Und ich liebe das Benzinpferd, das übrigens von Harley Fahrern schon als Beleidigung betrachtet wurde. Aber das ist eine andere Geschichte. Die erzähle ich Ihnen das nächste Mal. Dann geht es auch um meine erste Fahrstunde, entschuldigung, das erste Mal auf dem Benzinpony. Denn auch ich habe das Virus. Ich mache den Schein. Und weil eine 125er Maschine viel kleiner ist als unsere 600er, ist das ein Benzinpony und ich gehe Ponyreiten.

Bleiben Sie also dran, lesen Sie, was H.W. mein Fahrlehrer sagt, und wieso Bremsen auf einem Benzinpony nicht witzig ist. Außerdem unterhalten wir uns über mein gespaltenes Verhältnis zur „Königin“ der Motorräder und wieso mir mein Reiskocher lieber ist und erörtern das Verhalten der Schweinehündin auf dem Benzinpony. Die hat nämlich jetzt ein Problem.

Herzlichst
Birgit, Benzinponyzähmerin

06 August 2009

Wie man als Bikerbraut richtig shoppt!

Während Herzblatt den Umgang mit dem Motorrad lernte und das große Teil auch schon mal „flach“ legte, lernte ich auf Xing in einer Gruppe Tanja kennen. Ich nenne sie Harley Tanja, weil sie Harleys liebt und eine richtig coole Bikerbraut ist. Wir beschnupperten uns, fanden Gemeinsamkeiten und tauschten uns über Gott und die Welt, Sex and the City, Schuhe, Männer, Bücher und eben Motorräder aus. Ich, die Anfängerin und Sie die Profibikerin.

Wir befassten uns mit dem Thema „Bikerbraut“. Tanja erklärte mir, der eitlen, dass wirre Haare kein Problem sind. Wir stecken sie uns nämlich entweder mit der Sonnenbrille fest oder lassen sie hängen. Sonnenbrille fand ich gut, Hängenlassen nicht. Aber für was sonst gibt es Haarklemmen, die wirre Lockenmähnen bändigen?
Ich lernte, dass das Biken an sich eine eigene Philosophie hat. Man übernimmt sie ohne es zu merken und bleibt tatsächlich gelassener und ist entspannter. Woher es kommt? Keine Ahnung. Vielleicht von den Eindrücken, die man gewinnt?

Dann befasste ich mich mit dem Thema: Wie shoppt man als Bikerbraut?
Der Sturzhelm war für mich eine schwierige Angelegenheit, da ich mit Brille fahre. Aber ich bekam meinen Traumhelm und löste das Problem mit einer flexiblen und schicken Zweitbrille, die mir meine Lieblingsoptikerin, übrigens auch eine Motorradfahrerin, empfahl.
Schwieriger war es, eine entsprechende Jacke zu finden. Es gibt nur einen Schnitt: klein, tailliert, kurz und wenig freundlich fürs Hüftgold. In dem Laden testete ich gut und gerne 20 Modelle und fand keine Jacke, die mir wirklich gut passte. Ebenso erging es mir bei Hosen. Hüften hatten keine Chance. Was mir auch klar wurde, als ich die Kataloge sah, die die Herren der Schöpfung mit gierigen Blicken verschlangen. Üppig getunte Blondinen sind das modische Vorbild.
Der Höhepunkt des Tages war der Kerl, den ich aus einer Kabine scheuchte. Er hatte sich mit einem dieser Kataloge zurückgezogen und betrachtete fasziniert knabenhafte Hüften, üppige Oberweiten in Bikinioberteile gequetscht und wallende Mähnen.
Ich stand mit ungefähr zehn Motorradhosen vor geschlossenen Vorhängen und überlegte, welchen ich nun zurückziehen sollte. Einzig ein Seufzen war zu hören. Schwungvoll schob ich also den Vorhang zum nächstbesten Umkleidekabuff auf und stieß auf einen Herrn, der völlig hin und weg eine der getunten Damen aus dem Katalog betrachtete. Seine Körpermitte war sehr lebendig. Es war ein Déjàvu, erinnerte die Situation doch an den Textildschungel im Therapiebad.
„Dürfte ich mal?“, fragte ich genervt und mit mitleidigem Blick.
„Äh, ja, in die Kabine?“ "Was sonst, ich muss probieren! Was meinen Sie denn?"
Dezentes Verrücken des Kataloges in Bauchhöhe. "Die anderen?" „Alle besetzt!“
„Ok, einen Moment noch!“ Flehentlicher Hundeblick, mit Wink auf die Gürtellinie und ein peinliches Räuspern.
Gnädig ließ ich den Vorhang sinken, hörte ein Hüsteln, ein kurzes Seufzen und dann trat der Mann ans Tageslicht und hielt eine Aktentasche so, dass diverse Körperpartien verdeckt waren. Er stand leicht verwirrt in der Gegend und schien nicht so recht zu wissen, wohin.
„Die Toilette ist da hinten!“, sagte ich mit amüsiertem Grinsen und einem frechen Blick zu dem Kerl und zog den Vorhang zu.

Den Katalog fand ich übrigens hinter dem Spiegel. Bei einer näheren Betrachtung stellte ich fest, dass es kein Wunder ist, dass in den Geschäften nichts zu finden ist, was mir passt. Schwimmreifen sind nicht vorgesehen. Leicht panisch sah ich meinen Traum vom Sozius verschwinden. Ungeeignet für das Biken. Die Frau ist nicht in der Normform.
Eine Anfrage bei Tanja brachte die Lösung: Unisexklamotten. Und das mir!
Ich, die gerne in der Abteilung für normale Größen shoppt, seit ich erfolgreich die Schweinehündin besiegt habe, war dazu verurteilt in der Unisexecke zu shoppen, wurde fündig und kaufte alles ein, was ich brauchte. Schön finde ich mich nicht, aber was tut man nicht alles?

Wie es ist, mitzuschwingen und zum ersten Mal krampfhaft nach Haltegriffen sucht, darüber reden wir demnächst. Außerdem: von Aliens auf einem Bike, wie man einen Sturzhelm elegant aufsetzt, Modetipps und warum man in Kurven immer schön mitschwingen sollte.

Beschwingte Tage wünsche ich Ihnen! Und falls Sie noch Fragen haben, freue ich mich über einen Kommentar und Ihre Frage. Denn die Fachfrauen lesen mit und wir finden bestimmt eine Antwort!
Herzlichst
Birgit Bauer

01 August 2009

Immer diese Entscheidungen...

So heißt mein neuester Beitrag auf dem Blog auf Brigitte.de: http://blog.brigitte.de/multiplesklerose/2009/08/immer-diese-entscheidungen-.html

Denn diese Woche war sozusagen eine Entscheidungswoche und der Beitrag erzählt schon ein wenig, wie "How to be a Bikerbraut" weitergehen wird. Freuen Sie sich auf Teil 2 der Sommerserie, der in Kürze erscheint!

Herzlichst
Birgit Bauer

27 Juli 2009

Die neue Serie: How to be a Bikerbraut! Teil 1!

Liebe Leserinnen und Leser,
herzlich willkommen in der Sommerserie! Wenn andere über Sommerlöcher jammern, fange ich erst an. Lassen Sie uns über ein Hobby diskutieren, das umstritten ist: Motorräder und wie man sie fährt. Oder, wie Frau zur Bikerbraut wird und trotzdem nicht auf Mode verzichten muss und Frau bleiben darf. Kontraste, Erlebnisse, Ergebnisse, Einblicke in eine andere Welt und vieles mehr lesen Sie hier. In der neuen Serie: How to be a Bikerbraut!
Viel Spaß!

Vielleicht stimmen Sie mir zu, wenn ich behaupte, dass großartige Männer großartige Geschenke brauchen. Ich meine, wenn Frau DEN Mann gefunden hat und der auch noch einen wirklich denkwürdigen Geburtstag hat, sollte Frau auch ein besonderes Geschenk parat haben.
Da Herzblatt (Sie wissen schon, der viel erwähnte Kerl, der ganz alleine meiner ist und nicht von meiner Seite weichen will!) den erwähnten Geburtstag feierte, kam ich also ins Grübeln. Die große Frage war: Was kann ich ihm Gutes tun?

Nach einigen Tagen verschärfter Grübelei hatte ich eine Idee.
Vor einiger Zeit erwähnte Herzblatt bei einem entspannten Abendessen, dass er sich gut vorstellen könnte, auf einem Motorrad mit mir auf dem Sozius durch die Gegend zu fahren. Leidenschaft Motorrad also. Ich knobelte hin und dachte her und kam am Ende zu dem Ergebnis, nichts anderes aus diesem Wunschgedanken machen zu können als einen Führerschein, der ihm genau die Erfüllung seiner Vorstellung ermöglichte.

Mir war klar, wenn er den Schein macht und somit ein neues Hobby hat, würde ich entweder mitziehen oder akzeptieren müssen, dass ich sehr oft ziemlich alleine sein würde. Die Alternative „alleine sein“ gefiel mir nicht wirklich, aber ich habe ein kleines Geheimnis. Sozusagen meine heimliche Leidenschaft, die sich wunderbar an einen Biker gewöhnen konnte. Motorräder. Mir haben die großen, bulligen Teile schon immer gefallen. Keine kleinen zierlichen Maschinen sondern richtige Motorräder. Solche, mit denen man Touren fahren kann und die lauffreudig sind.

Nicht, dass wir uns jetzt falsch verstehen, ich habe kein Interesse am Rasen oder als frühzeitiger Organspender im Graben zu enden, weil ich zu schnell gefahren bin. Wer mich kennt, weiß jedoch, dass ich kraftvolle Motoren durchaus schätze, wenngleich ich bewusst mit dieser Kraft umgehe und sie nur nutze, wenn es nötig oder die Autobahn frei ist. So verschlang ich bisher heimlich die großen Maschinen mit Blicken und wünschte mir, sie wenigstens mitfahren zu können.
Mein Entschluss stand schnell: Ich nahm Herzblatt an der Hand, sah ihm tief in die Augen und fragte ihn noch vor seinem großen Tag, ob er möglicherweise sich damit anfreunden könnte, noch einmal Fahrschüler zu werden. Vor dem Tag der Tage fragte ich deshalb, damit ich sicher gehen konnte, das richtige Geschenk auf den Tisch legen zu können. Denn mein Plan war umfangreich. Ich bekam ein klares und erfreutes „Ja!“ und ich begann meine Ideen in die Wirklichkeit zu holen.

Zuerst suchte ich eine passende Fahrschule. Was gar nicht so einfach war, wenn man eine gewisse Auswahl hat und keine Ahnung vom Biken. Also ging ich über Sympathie und stellte Fragen, unterhielt mich und checkte die Fahrlehrer ab. Meine Wahl fiel auf H.W. . Er hörte zu, und erklärte mir nett und mit einem Grinsen in der Stimme, alles, was ich Ahnungslose wissen wollte.
Dabei erfuhr ich auch, dass ich eine Ausnahmefrau bin. Denn auf die Frage: „Sie wissen schon, was sie da verschenken?“ antwortete ich: „Klar weiß ich das und ich bin bereit, mich auf den Sozius zu setzen und mitzufahren!“ Das verblüffte. Denn, so die Begründung auf meine Verwunderung, nicht viele Frauen würden es „erlauben“, dass ihre Männer Motorräder fuhren. Es sei ein Hobby, vor dem Frauen Angst haben. Ich sei da eher eines der seltenen Exemplare meiner Gattung, denn ich gab zu, auch mitfahren zu wollen. War ich wieder mal eine Ausnahme, aber eine Positive, wie ich fand. Und, es dürfte eigentlich klar sein, dass ich für fast alles zu haben bin. Oder? ;-)

Als ich alles geklärt hatte, was die Fahrschule betrifft, begann ich damit, meinen zukünftigen Fahrschüler auszurüsten. Nicht vollständig, Helme kauft man nicht einfach so. Aber eine Jacke und einen Nierengurt schon. Ich zumindest, ich weiß was Herzblatt passt.
Allerdings nicht, ohne mich ausführlich über die eher unmodisch gehaltenen Klamotten für Biker aufzuregen und nicht, ohne selbst zu probieren und festzustellen, dass eine Frau mit kleinen eingebauten Schwimmreifen und wohlproportionierter Figur richtige Probleme haben würde, was Hosen und Jacken betrifft. Haben Bikerbräute keine Hüften?

Ich finde die Motorradmode, sofern man das, was da in den Geschäften hängt, Mode nennen kann, frustrierend. Man sieht entweder aus wie ein Preisboxer oder ein Michelinmännchen. Gerne ist auch der Presswurstlook genommen. Farben gibt es keine, obwohl in jedem Motorradlehrbuch steht, man soll Reflektoren und Farben in der Kleidung integrieren, um gesehen zu werden. Ob man so ein Buch an die Hersteller schicken sollte, damit die sich über Empfehlungen von Experten informieren können?

Es gibt Fragen über Fragen zu klären. Wie ist das so als Biker? Erst recht als Bikerbraut? Darf man sich noch die Nägel lackieren und gibt es passende Frisuren für Lockenmähnen? Gibt es stylishe Handtaschen und modische Looks für Bikerbräute und wie sind die so? Die Bikerbräute? unkultivierte Randaleschwestern vielleicht? Oder normale Frauen mit einem besonderen Hobby, das sie fasziniert und in andere Welten entführt?

Diese und noch mehr Fragen werden wir klären. In der neuen Serie, die mit einem Geburtstagsgeschenk begann, über Harley-Tanja und einigen Fachsimpeleien zu viel mehr führt, als Sie ahnen! Bleiben Sie dran!

Herzlichst Birgit Bauer