19 August 2009

How to be a Bikerbraut - Teil 3 Von Träumen, Benzinpferden und Aliens!

Liebe Leserinnen und Leser!
Ganz ehrlich, ein wenig Schiß hatte ich sehr wohl, als Herzblatt das erste Mal ankam und mich mit mitnehmen wollte. Ich saß vorher noch nie auf einem Motorrad und rätselte, wie ich drauf kam und wo ich mich festhalten sollte.
In meine Klamotten gehüllt stand ich vor dem Haus und betrachtete die Sache genauer. Mittlerweile hatten wir unser eigenes Motorrad und waren sehr glücklich damit. Herzblatt, der Souveräne bestieg als seinen vorderen Teil der Sitzbank, setzte sich lässig den Helm auf und meinte, ich soll jetzt auch. Alles klar. Ich, die Ungelenkige soll also hinter dem Mann auf das Teil, auf dem hinter mir ein Topcase ist. By the way, ein Topcase ist quasi der Kofferraum und ist hinter der Sitzbank befestigt.

Ich beschloss, zuerst den Helm aufzusetzen. Das war allein eine Sache für sich. Während er vor Lachen fast vom Motorrad fiel, weil er sich so über meine Taktik, den Helm aufzusetzen amüsierte, ärgerte ich mich. Was konnte ich für meinen großen Kopf? Einige Versuche machte ich es radikal, setzte das Teil auf den Kopf und drückte von oben nach unten und siehe da: Es passte.

„E.T. nach Hause telefonieren!“ grinste ich dumpf unter meinem Helm hervor. Dann musste E.T., also ich, auf das Zweirad. Schnaufend versuchte ich mein rechtes Bein irgendwie übers Motorrad zu transportieren und aufzusitzen. Ich, das Alien, packte ich also mein Bein und legte es auf die Sitzbank. Trotz schieben und drücken wollte es aber nicht über die Maschine und löste bei mir einen Lachanfall aus, sodass ich es wieder zurückzog, schwankend und ächzend anschließend wieder mit beiden Beinen auf der Erde stand. Das wiederum produzierte einen erneuten Lacher, weil ich mein Visier noch geschlossen hatte und mit dem Finger, beim Versuch, die Tränen zu trocknen, abprallte.

Nächster Versuch: Ich, mit offenem Visier betrachtete die Technik am Motorrad genauer. Der Abstand zwischen Mann und Top Case war klein. Darüber robben fiel also aus. Dann nötigte ich Herzblatt, mich zuerst aufsteigen zu lassen, wenn die Maschine auf dem Hauptständer stand, was aber auch nicht funktionierte, da der Hauptständer des Teils mit uns beiden als zusätzliche Gewichtsbelastung nicht mehr zurückschnappte.

Die Abstellpedale für den Beifahrer waren die Lösung. In meinem Wahn elegant und cool aufsitzen zu wollen, hatte ich sie mißachtet.
Aufsteigen wie beim Pferd (der geneigte Leser beachte jetzt den Bezug von Pferd!) und drüberschwingen. Ob Herzblatt das noch ausbalancieren konnte? Ich, das olle Alien mit dem dicken Fingerabdruck auf dem Raumhelm hievte mich ächzend an den Schultern meines Fahrers festgekrallt über das Motorrad und landete nicht gerade sanft auf meinem Platz.
Als ich mich umsah, sah ich lachende Gesichter an den Fenstern. Mein äußerst uneleganter Auftritt war nicht unbemerkt geblieben. War mir aber egal, ich saß jetzt auf der Maschine, die nun gestartet war und wartete auf die Abfahrt, die eher ruckartig verlief und mich dazu nötigte, mich an Herzblatt festzukrallen. Was aber gar nicht schlecht ist. Kann man gut ankuscheln.

Unsere erste Ausfahrt war angenehm. Wir hatten Klopfzeichen vereinbart, zweimal auf der linken Seite, wenn es mir zu schnell wurde und rechts, wenn er Gas geben konnte. Raten Sie mal, welche Seite mehr beansprucht wurde!
Und ich wette, Sie haben links gewählt, womit Sie absolut recht haben.

Die nächste Alienvorstellung gab ich dann, als ich wieder absteigen sollte. Nachdem ein dickes Junibummerl (fettes Hummelgetier das im Juni nur so daherschwirrt und ein bisschen dümmlich überall zu landen versucht und kläglich scheitert!) sich an meinem Gesicht erschrocken und bestimmt an dem Schreck gestorben und dann an meinem Visier herabgerutscht war, kamen wir zurück. Mein erster Ausflug war klasse und ich dachte bereits seit gefühlten 10 Kilometern über den Abstieg nach. Würde es auch mein Abstieg in die Unterklasse aller Bikerbräute sein?
Ich will Ihnen den geistigen Anblick meiner leicht verdrehten und ächzenden Figur ersparen, aber ich kann Ihnen eines sagen, ich kam vom Bike. Irgendwie. Und ich blickte in grinsende Gesichter, als ich mich ächzend und leicht verknautscht umsah. Dazu kam, dass ich mich an die platte Matte a la Bikerbrauthelm erst gewöhnen musste. War mir aber alles egal. Ich war gerade wie ein Cowgirl mit Herzblatt in den Sonnenuntergang geritten und das erzählte ich ihm auch.

„Dann hat unser Benzinpferd ja gute Dienste geleistet oder?“, grinste er und klopfte dem „Benzinpferd“ freundlich auf den Tank, äh, die Flanke. Oder so.
Seither reiten wir auf unserem Benzinpferd. Ich, um meinen Look aufzupeppen, mit einem Cowboyeinstecktuch, das ich so binde, dass ich auch eine Bank überfallen könnte und er hält die Zügel, äh, den Lenker. Sie wissen schon.

Das war vor geschätzten acht Wochen. Heute steige ich eleganter auf und plumpse nicht mehr, sondern setze mich sanft ab. Mit dem Absteigen habe ich immer noch Probleme. Das übe ich noch, zumal ich meist mit meinen „Gebeinen“ etwas Probleme habe, die bei längeren Fahrten ein wenig steif werden. Aber auch das wird sich wohl noch geben. Damit ich noch schicker aussehe, wenn ich mich mit meinem neuen Look vom Bike schwinge. Ich investiere nämlich in Tücher und Accessoires, die klein, aber fein sind.
Kurven sind jetzt Spaß und ich lache immer, wenn ich an Angelika und ihren beschwingten Tipp denke. Das war mir am Anfang immer eine Hilfe, ihre Stimme und ihr Lachen im Kopf zu haben und zu hören: „In Kurven musst du mitschwingen!“

Mittlerweile reagiere ich auch automatisch auf die Bewegungen unter mir und gehe mit. Ich bin ein guter Beifahrer. Und ich liebe das Benzinpferd, das übrigens von Harley Fahrern schon als Beleidigung betrachtet wurde. Aber das ist eine andere Geschichte. Die erzähle ich Ihnen das nächste Mal. Dann geht es auch um meine erste Fahrstunde, entschuldigung, das erste Mal auf dem Benzinpony. Denn auch ich habe das Virus. Ich mache den Schein. Und weil eine 125er Maschine viel kleiner ist als unsere 600er, ist das ein Benzinpony und ich gehe Ponyreiten.

Bleiben Sie also dran, lesen Sie, was H.W. mein Fahrlehrer sagt, und wieso Bremsen auf einem Benzinpony nicht witzig ist. Außerdem unterhalten wir uns über mein gespaltenes Verhältnis zur „Königin“ der Motorräder und wieso mir mein Reiskocher lieber ist und erörtern das Verhalten der Schweinehündin auf dem Benzinpony. Die hat nämlich jetzt ein Problem.

Herzlichst
Birgit, Benzinponyzähmerin
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