03 Juni 2009

Im "OFF"

Liebe Leserinnen und Leser!
Waren Sie schon einmal abgeschnitten von den Aktualitäten dieser Welt? Saßen Sie schon einmal von jetzt auf gleich in völliger Stille? Was dachten Sie? Hat es Ihnen gefallen, völlig ohne Kontakt zu sein?

Nun, ich bin es gewissermaßen im Moment und grüße Sie deshalb herzlich aus dem „OFF“, dem Land das jenseits der internetten und aktiven Webwelt liegt.
Wie es kam? Vor einiger Zeit kündigte ich fristgerecht meinem Flaterateanbieter den Vertrag. Etwas, das dieser wiederum nur schlecht "verkraften" konnte. Bedauerlicherweise musste ich einige Konsequenzen für den Fall ankündigen, sollte man mich nicht loslassen wollen. Und genau das ist passiert. Ich zog Konsequenzen.

Die Reaktion des besagten Unternehmens ähnelt der eines trotzigen Kleinkindes. Es stampft mit seinen Beinchen und schreit nach dem Bauklötzchen, das ich ihm abgenommen habe.
Deshalb sind wir jetzt im „OFF“ was die internette und telefonierende Welt betrifft. Zumindest, was die grenzenlose Surf- und Telefonierfreude betrifft.

Ein Umstand, der mich zuerst ziemlich verärgerte und jetzt, im Nachhinein und nach einigen Tagen „Zwangspause“ von der virtuellen und schnellen Welt, eigentlich erfreut.
Vor einigen Tagen begann die virtuelle Stille. Ich ging am Morgen an meinen Rechner und wollte wie jeden Tag neugierigerweise die E-Mails checken, drückte auf „ON“, wartete und bekam: Nichts. Gar nichts.

Zuerst begriff ich gar nicht, wieso da nichts kam, nach einigen Minuten wurde mir klar, was passiert war. Hatte doch der kleine Trotzkopf das, was er mir eine Woche zuvor unangebrachterweise per Mail angedroht hatte, in die Tat umgesetzt.
Die hatten mir den Saft abgedreht! Das war ungewohnt, es passierte zum ersten Mal.

Ich stand frisch ausgesetzt mit meinem Freitag auf einer Insel der Stille und fühlte mich wie Robinson. Zum ersten Mal seit Langem konnte ich nicht mitreden. Kontaktsperre sozusagen.
Zunächst fühlte ich mich weitab vom Zeitgeschehen und von dem, was mir wichtig schien. Irgendwie war mir, als könne ich nicht mehr mithalten mit dem Takt der Welt. Meinem Freitag erging es ähnlich. Zumindest im ersten Moment.

Aber bitte, wenn wir nicht ins Netz können, telefonieren geht immer. Das war unser Gedanke! Beim Griff nach dem Hörer erinnerten wir uns jedoch schnell, dass Surfen und Telefonieren ein Vertrag waren. Ich Robinson Birgit Bauer und mein Freitag waren ausgesetzt und allein. Auf einer Insel der Stille? Vielleicht. Aber nicht ganz.Schnell fanden wir heraus, dass es ganz anders sein konnte, nein, ist. Es kehrte eine Ruhephase der anderen Art ein. Termine? Zeitdruck? Sie existierten für den Moment nicht.

Anstatt aber zu verzweifeln, suchten wir beide das Gute in der Situation. Es war die Stille, das bessere Hören auf unser inneren Stimmen und Gedanken.

Sie sind eigentlich immer, da, aber es scheint, die virtuelle Welt, die zum Greifen nahe ist, dämmt sie ein. Schreit lauter. Es ist die Ablenkung, die uns ein wenig zu Schwerhörigen werden ließ.

Freitag und ich saßen also auf unserer Insel und stellten nach kurzer Zeit fest, dass es gar nicht so schlecht ist, auf dem einsamen Eiland zu hocken und nicht erreichbar zu sein. Auf einmal war da viel mehr Raum, um einen Tagtraum zu träumen und sich um Dinge zu kümmern, die man gerne verschiebt, weil das andere, schnelle Leben mitten im Netz wichtiger erscheint.
Wir konzentrierten uns wie von selbst auf das Wesentliche. Es herrschte einige Stille. Es war, als wäre die Welt ausgeschaltet. Kein Anruf, keine Mail, kein Gezwitscher, keine heiße Diskussion in den weiten Welten des Internetuniversums.
Statt dessen: friedliches, konzentriertes Arbeiten. Im Endeffekt ein sehr produktiver und ausgeglichener Zustand voller Entspannung.

Der einzige Nachteil: die Aktualität leidet, Reaktionszeiten werden länger und manch einer will sich damit nicht anfreunden. Aber ich kann nichts dafür. Freitag und ich sitzen auf unserer netzlosen Insel, weil wir etwas möchten, was anderen nicht gefällt. Was aber nicht unser Problem ist. Sondern das der anderen.

Denn wenige Stunden nach dem Eintritt ins internetlose Universum waren wir zwar, was Flatrates betrifft, immer noch „OFF“, aber nicht ohne Kontakt.
Schließlich gibt es technische Alternativen, die es möglich machen, zumindest auf holperigen und ein wenig umständlichen Wegen wenig ins „ON“ zu kommen und nicht zu viel zu versäumen.
Derzeit schätzen wir jedoch die fast netzlose Ruhe und sind für diese Erfahrung dem Trotzkopf direkt dankbar.

Er hat uns stille Momente voller Erfüllung beschert und uns die Gelegenheit gegeben, uns auf uns zu besinnen und uns selbst zuzuhören. Was toll ist und was wir uns, wenn wir wieder voll mitreden können, sicherlich bewahren werden. Denn manchmal ist ein wenig Stille mehr als hilfreich, entspannend und sehr inspirierend.Dennoch hoffen wir, dass wir bald wieder voll im „ON“ sitzen, den Schalter umlegen können und uns dann an einem noch bewussteren Umgang mit dem Medium „Internet“ erfreuen und auch wieder zuverlässig ins "ON" schalten können.

Eines wird dann anders sein: Wir werden uns Pausen für Gedanken, Tagträume und geniale Unterhaltungen bewusst gönnen.
In diesem Sinne: Trotzkopf, du kannst uns eigentlich nicht ärgern, im Gegenteil, du hast uns Zeit geschenkt und ich frage mich, ob du das wirklich wolltest? Denn den Rest, den erledigen hilfreiche Geister für uns!

Wir hören voneinander! Sie und ich und der Trotzkopf sicher auch!

Herzlichst
Birgit Bauer
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