05 März 2010

Der Schwimmflügelreport hochalpin! Teil 2!

Die Themen der Ausgabe Nummer 2:

Vom Aushilfstarzan im Dschungel der textilfreien und angezogenen Schnappnattern. Von Heidi, die auf den Berg marschiert und sich entsetzlich wohl dabei fühlt, bis hin zu deprimierten Männern, die sich auf Sehenswürdigkeiten stürzen und dann traurig ihrer Wege gehen, um im Becken der listigen Lustmolche sehnsüchtige Blicke auf andere zu werfen.
Der Aushilfstarzan

Sie kennen sie bestimmt, die eitlen Herren, die, wenn man ihnen über den Weg läuft, sofort den Bauch einziehen, die Brust rausstrecken und ihren Bizeps prüfen.
Wenn aber das Ganze mit einem Tigertanga kombiniert wird und an lockenden Locken und einem schleimigen Augenzwinkern gereicht wird, wird’s heftig. Wenn Mann dann noch behauptet, den Tiger im Tank, oder war es der Tanga, zu haben, nimmt die Sache leicht bizarre Formen an.

Es passierte, als ich im Tarnmäntelchen zu meiner Schwimmrunde aufbrach. Entspannt spazierte ich durch die heiligen Hallen. Und dann:
Ein dezentes Räuspern, ein schwülstiges „Hallo junge Frau“ stoppte mich. Ich sah mich um. Vor mir stand, Mann, mit dauergewellter Kurzhaarfrisur, massiver Goldkette, Knödelbunker und: Tigertanga. Er grinste herüber und hielt eindeutig die Luft an, was den Rest der Anmache doch sichtbar erschwerte.
Irgendwie wartete ich darauf, dass er sich schwungvoll auf die Brust haute und meinte: ich Tarzan, du Jane. Aber aufgrund der Luftknappheit gelang ihm das nicht.
Ich sah amüsiert zu, wie der Knödelbunker sich wieder mit Luft füllte und der gestraffte Körper sich der Schwerkraft ergab, nachdem ich Tarzan klargemacht hatte, dass ich mir keine Banane, nein Torte, mit ihm gönnen wollte.

Ich bin Heidi!

Mein Trainer nennt mich die kleine Bergziege. Ich bezeichne mich, wenn schon denn schon, als Heidi und überlege, im Moment, ob ich mir nächstens Zöpfchen flechte. Derzeitige Höhe: 3200 m. Und es fühlt sich gut an. Ich habe abgenommen und passe neuerdings in Jacken, die eine Kleidergröße kleiner sind, und kann sie um den Hüftreifen sogar schließen. Eine grandiose Erfahrung, um die ich mich einige Tage gewunden habe, weil ich mich nicht traute, das Traumteil zu probieren. Aber siehe da, ein wenig Überwindung, der Jeanshosengürtel enger geschnallt und schon kann man Jacken tragen, die einem vor Wochen noch nicht gepasst hätten.
Gut, wahrscheinlich schlägt auch zu Buche, dass ich seit Wochen noch bewusster esse und auf den Punkt achte, an dem ich eigentlich satt bin. Dazu der Sport. Finde ich gut!

Männerdepression

Schwimmerbecken. Er, mit himmelblauer Duschhaube auf dem Haupt und seiner Gattin im Schlepptau. Er in Flattershorts, sie mit Opern Make-up und großem Schmuck.
Das Thema der beiden: Wie teilen wir unsere Kurtermine so ein, dass wir einige Pausen für Siewissenschon haben? Eine spannende Sache, wenn die Massagetermine mit der Lymphdrainage kollidieren und die Fußpflege an der Kosmetik scheitert und man dann noch Siewissenschon klemmt.
Der Schwimmstil: er gehtschwimmt. Spricht zwei Züge Brust, geht zwei Schritte vorwärts! Sie paddelt gemächlich dahin.
Ich komme. Sein Kopf ruckt, sie zischelt. Ich schwimme und grinse. Ziehe vorbei. Das erste Mal.
Wir treffen uns später am Rand vom Becken, er spannt den Bizeps, holt Luft und stößt sich sportlich wie ein Nilpferd vom Rand ab, sie meckert sofort. Einen Augenblick später ziehe ich gemächlich am Duo vorbei, das nun über den Nachmittagskaffee diskutiert. Erdbeertorte oder Schwarzwälder Kirsch?

Er schaut mir hinterher, sie zischelt. Ich schwimme.
So geht das einige Bahnen, bis er aufgibt. „Ich gehe jetzt!“, meckert er los und schießt: „Die Weiber werden auch immer sportlicher!“ nach und paddelt in seinem einzigartigen Stil aus dem Becken. Ich gebe vor Lachen fast den Untergang der Titanic, während sie triumphierend ihre Runden weiterzieht. Etwas, was ich als reife Leistung honoriere, wenn man bedenkt, was viele Goldketten wiegen.

Ach ja, später sah ich ihn im Becken der listigen Lustmolche sitzen. Dort verharrte er bewegungslos und versuchte, mit bösen Blicken alle Frauen zu verjagen. Etwas, das nicht nötig gewesen wäre, es hat keine von uns interessiert.

Sehenswürdigkeit!

Könnte man mich bezeichnen. Seit ich in Turnhosen und Schlabbershirt meine Wege über simulierte Bergwege ziehe, werde ich hergezeigt. Man meint, ich wäre eine gute Vorzeigesportlerin und sehenswert. Zumindest könnte man davon ausgehen, wenn man bedenkt, dass immer mehr Herren der Schöpfung, die aus dem gegenüberliegenden textilfreien Dschungel kommen, an der Scheibe zum Bergtraining kleben. Ihre Frauen auch. Sie sind neugierig, sobald er aber auch möchte, wird er von dannen gezogen. Jaja …

So, das war´s schon für heute! Erleben Sie in Kürze weitere Bergabenteuer und den Wettkampf der Bademützen. Denn sie sind wieder da. Frau geht doch oben mit!

Schwimmenderweise
Birgit Bauer
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