17 März 2010

Der Schwimmflügelreport hochalpin! Teil 3!

Die Themen des aktuellen Schwimmflügelreports:

Vom Nilpferd zum Wettbewerb „Die goldene Badekappe“ oder wie Frau die Jury nun gar nicht überzeugen kann, warum Kinder im Thermenbereich nur beschimpft werden, wie man sportlich aussieht und den Informationsfluss aufrecht erhält und warum ich als Heidi noch immer keine Brotzeit kriege und neuerdings die Stille suche und über den Aufstand der Männer.

Nilpferd

Als „Nilpferd“ bezeichnete eine Herrengruppe wenig charmant eine ältere Dame, mit einer Badehaube, die einem Gefrierbeutel nicht unähnlich war, als sie ein Becken verließen.
Die Herren waren aufgeregt, was mich natürlich, neugierig wie immer, dazu trieb, das „Nilpferd“ in Augenschein zu nehmen.
Der Anführer der verjagten Männerbande erklärte mir, dass besagte Dame wie besagtes Tier im Eingangsbereich des Beckens faul und träge herumdümple und aufgrund stattlicher Ausmaße Selbigen blockiere und auch nicht mit Höflichkeit dazu zu bewegen sei, Platz zu machen.

Ich tappte fröhlich ins Wasser um keine zwei Schritte weiter auf die Dame zu prallen, die da tatsächlich bis zum Kinn auf zwei Styronudeln im Wasser dümpelte und es sich gemütlich gemacht hatte.
Meine freundliche Frage, ob es möglich wäre, mich vorbei zu lassen, zog eine ziemliche Schimpftirade nach sich. Ich wäre eine freche Göre und was ich mir einbilde, sie in ihrer Meditation zu stören, das sei ein Ruhebecken und sie wolle ihre Ruhe.

Gut und schön kann sie auch haben, aber dann doch bitte dort, wo keine anderen Besucher sind. Oder? . Madam klapperte gefährlich mit den Beissern und drohte mit der Aufsicht.
Wer mich kennt, weiß, dass ich lange ruhig bleiben kann und neuerdings auch diplomatisch reagiere, sofern mir das möglich ist. In diesem Fall aber war ich mit meiner Geduld am Ende und drohte drastisch: Entweder sie räume sich jetzt mal eben aus der Eingangszone und zwar flott oder ich würde das für sie erledigen. 
Nachdem Frau mich nicht ernst nahm, schuf ich Tatsachen. Ich kam näher, plusterte mich auf und blitzte gefährlich zum Nilpferd hin, das bereits kurz vor der Explosion stand und aufgrund meiner kampflustigen Art des Näherkommens bereits hilflos damit begann, herumzupaddeln. Der Schmuck zog nach unten und der pinke Lippenstift verrutschte gefährlich, während sie wütend blubbernd versuchte, sich aus dem Gefahrenbereich zu begeben, der mit mir unaufhörlich näherkam.

Diskussion fand keine mehr statt, wir handelten. Genauer gesagt ich. Ich schnappte mir eine der Poolnudeln und schob das unbewegliche Nilpferd hinaus aufs offene Thermalmeer. Übrigens, die Dame lebt noch, allerdings wurde sie an dem Tag noch öfter hin und her geschoben.

Die goldene Badekappe

Diese Trophäe zu gewinnen, verlangt wirklich Einsatz. Zunächst benötigt man einen züchtigen Einteiler in einer gedeckten Farbe. Denn, Farbe bringt Frau von Welt in Form von schweinchenrosa Rüschenbadekappen, in Grellpink lackierten Fingernägeln, zarten Badeballerinas in Knallgrün und blauem Lidschatten ins Spiel.

Die Jury (bestehend aus hochrangigen Fachfrauen im dezent - schrägen Look) hockt natürlich in der ersten Reihe und so, dass man an ihnen vorbei muss.

Ich gebe zu, ich war ernsthaft bemüht, endlich den Thron der Badequeen zu besteigen, schließlich arbeite ich schon das 3. Jahr an dem Projekt und war gut vorbereitet. Ich trug den Bikini mit den kleinen Rosen, hatte meine Lockenmähne extra schön hochgesteckt und trug Naturlook zur Schau. Ich verzichtete auf großes Make-up, denn, so wie ich letzte Woche in einer der wirklich informativen Shows, durch die ich mich zappte, lernte, die Jury mag kein Make-up sondern das wahre Gesicht.

Und was half´s? Nix! Das Urteil war vernichtend und nicht einmal mein eleganter Seitenschwimmstil (anders kam man leider nicht mehr durch, weil der Bereich wirklich gut belegt war!) konnte mir ein Lob einbringen. Tja, es gab kein Foto für mich und der Traum von der Trophäe platzte wie eine Seifenblase.

Der Aufreger der Woche: Kind = Störfaktor


Wenn man wie ein Würstchen im heißen Blubberwasser hängt und eigentlich nur ein wenig nach rechts zuckt, wenn das Signal ertönt, dann ist es wirklich heftig, wenn ein Kind seine Mama nach einem Lutscher fragt. Wirklich!
Kinder, so sagen alle, sind unsere Zukunft und, das sagen auch alle, wir müssen etwas für unsere Zukunft tun. Vor allem, wenn es wirklich nette Kinder sind, die sich angemessen verhalten und richtig lieb versuchen, nicht zu sehr zu spritzen.
Aber das reicht nicht! Die Sittenwächter im Würstelwasser sahen das anders! Sie schimpften los, Kinder haben im Thermalbad nichts zu suchen, sie sind laut und spritzen herum.

Und die Eltern, verantwortungslos ohne Ende. Wie gemein das Leben für die armen bewegungslosen Verharrer so sein kann. Und schlimm, wenn man schon alt geboren wird und nie Kind war.

Stille

Gut, dass es nach so aufregenden Ereignissen auch ruhige Ecken gibt, in denen es weder Schnappnattern, Jurys oder andere listige Lustmolche gibt, die das Würstchen im heißen Wasser geben und nur dann in Bewegung geraten, wenn sie sich gestört fühlen oder sich jemand nicht vorschriftsmäßig verhält.
Diese Stille ist sehr entspannend, besonders wenn man weiß, dass dort nicht jeder hinkommt, sondern dass einem nur Einlass gewährt wird, wenn man einen bestimmten Schlüssel hat. Und den kriegt Frau, wenn sie durchs Therapiebad kommt.

So lag ich im ersten Sonnenschein in meiner Lieblingsecke in einem Blubberbecken und genoss. Das Becken gehörte mir ganz allein und ist sogar umzäunt. Während die Herrschaften der öffentlichen Blubberfraktion ihre Keulen nach Anleitung in der Mittagsgymnastik schwangen, hing ich ab und erholte mich.

Das Leben im Blubberbad kann nämlich echt anstrengend sein, besonders, wenn Nachwuchsheidi die Trainingszeit verlängern soll und 3200 m hoch auf dem Berg steht und immer noch keine Brotzeit bekommt, weil wir ja Sport treiben …

In diesem Sinne, ein fröhliches und patschnasses Holladijoh vom Berg!

Ihre Birgit Bauer
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