09 April 2010

Der Schwimmflügelreport Teil 4 - Von Tigern und Gaffern!

Von Tigerlilly beim Sonnenbad bis hin zur Froschparade und der Nachwuchsheidi, die Bratwurstketten sprengt und von Bremsspuren auf Oberschenkeln.

Der aktuelle Status!
Meine derzeitige Trainingshöhe ist 3400 m. Meine Werte liegen im optimalen Bereich und ich fühle mich, bis auf derzeit kleinere Schubbeschwerden, die mir meine lebensbegleitende Krankheit eingebrockt hat, sehr gut. 
Mehr zu meinem Leben mit MS finden Sie auf meinem Brigitte-Blog:  http://blog.brigitte.de/multiplesklerose
Zurück zu den angenehmeren Dingen: Die Zugspitze habe ich bereits erklommen und ich bin sehr stolz darauf. Meine Figur wird schöner und, wie ich finde, die diversen unschönen Bremsspuren an diversen Stellen verschwinden. Das finde ich klasse, wo doch der Sommer naht und die neuen Designs für Bikinis wirklich toll sind.

Mach mir den Tiger Baby!
Was mich zum Thema Mode bringt. 
Tigerfelldesign ist derzeit hoch im Kurs in Sachen Bademode. Schlich sich doch ein leicht übergewichtiger Tiger im Badedress um die Becken, um ein passendes „Opfer“ zu finden.
Suche: breitschultrigen Löwen zum Anlehnen mit Kuschelfaktor und genügend Polster zum Ausruhen in jeglicher Hinsicht.

Tigerlilly pirschte sich also im Sonnenschein mehr oder weniger geschmeidig um das Becken, um wenig später mit einem deftigen Platscher die Wasseroberfläche in ein wogendes und brausendes Meer im Sturm zu verwandeln.
Der anvisierte Löwe erschrak und ging auf Tauchstation. Dann trollte ersich mit seinen Löwenfreunden vor den nahenden Tigerwasserfluten in ein anderes Becken, während Tigerlilly einsam zurückblieb und nach anderen Löwen schmachtete. Oder nem passenden Tiger, aber der war leider nicht in Sicht und der, den ich vor einigen Wochen in heißen Höschen überraschte, war nicht verfügbar.

Füttern verboten!
Ich habe während meines Trainings einen genialen Beobachtungsposten. Im Schutz der leicht getönten Scheiben lässt es sich vortrefflich beobachten, was im Dschungel der Schnappnattern so passiert.
Allerdings bin ich auch ein wenig das Vorzeigeobjekt. Denn, mein Trainingscamp hat auch nach innen Fenster, sodass die badenden Herrschaften und die, die von der Expedition aus dem textilfreien Dschungel zurückkommen, direkt an mir und meiner Bergwelt vorbei müssen.
Dann mutieren sie zu Gaffern und manchmal habe ich das Bedürfnis, ein Schild ans Fenster zu kleben, auf dem „Füttern verboten“ steht oder meinen Zuschauern frech die Zunge rauszustrecken …

Froschparade!
Wenn allerdings die Froschparade an mir vorbeizieht und ihre Runden im Schwimmerbecken dreht, dann werde ich zum Gaffer. Die Froschparade ist eine kleine Gruppe, die täglich auf dem Rücken Bahnen schwimmt. Sie schwimmen stehts synchron. Die Damen tragen Badekappen Modell „Stachelrochen“ und „Noppi“, die Herren tragen sportliches Streifendesign oder „Sporty“ das glatte, enge Modell. Wegen der Aerodynamik.
Der Abstand wird peinlich genau eingehalten und die Damen und Herren achten darauf, nicht aus der Reihe zu tanzen. Wie eine Froschparade schwimmen sie die Bahn hinab und hinauf und nur ein „Falschschwimmer“ kann sie aus der Ruhe bringen. Wie neulich, als es eine Reihe von Aufschwimmunfällen gab, als eine ältere Dame im Ringkampf mit ihrer Poolnudel auf die falsche Bahn geriet … Da war das Gequacke empört und gut laut .. :-)

Sprengungen von Bratwurstketten!
Weil wir schon im Schwimmerbecken sind, ich dachte ja immer, man würde sich darin bewegen. Schwimmen, genauer gesagt. Ich habe mich geirrt.
Neuerdings gibt es so genannte „Bratwurstketten“. Die philosophische Stärke der in starker Fünferkette planschender Damen liegt in der Diskussion um die gemeine Bratwurst, ihren Preis und die Ketten, die mancher Metzger wohl daraus macht.
In Kettenform wird gemächlich durch das Becken gewandert. Schwimmen kostet zu viel Energie und Kraft.
Leider sind die Damen äußerst resistent, wenn die Bitte geht, sich doch etwas zur Seite zu begeben, um andere Schwimmer nicht zu behindern. Selbst höfliche Äußerungen und freundliche Aufforderungen werden missachtet. 
Als ich zum wiederholten Male darum bitten musste, vorbeischwimmen zu dürfen, bekam ich nur: „Sie schon wieder“ zu hören und musste im Konvoi mit einigen anderen hinterherdümpeln.
Es ist spannend, wenn man bedenkt, dass man sich nicht kennt, aber wie unheimlich schnell man sich solidarisiert, um Missstände auszuräumen.
Ein älterer Herr, der sowieso auf der Jagd nach mir war und einige andere rüstige Schwimmer wurden zu einer Gruppe. Wir schwammen in Kettenformation auf die Bratwurstgang zu.
Die wiederum blieb hart. Wir prallten wir in der Mitte des Beckens aufeinander.
Der Plan der Schwimmer ging aber auf. Als wir alle fast zum selben Zeitpunkt nämlich einige dicke Spritzbewegungen in eleganter Manier vollzogen und die Bratwurstkette so sprengten. Denn wasserscheu sind die Damen dann doch, wenn es um die künstlerisch aufgetürmte Föhnfrisur unter der Badehaube geht.

So bekamen wir unser Becken zurück, die Damen gingen ins Würstlblubberbecken, in dem sie wirklich gut aufgehoben waren, ich bekam eine Einladung zum Champagnerfrühstück, die ich leider ausschlagen musste und meine Männer freuten sich über den Platz und wir konnten unsere Runden in gewohnt kräftigem Tempo drehen, bevor ich mich, wie immer, für eine halbe Stunde in die Sonne legte. Im 34° warmen Blubberwasser im Therapiebereich. Quasi hinter Gittern, denn der Bereich ist nur für die zugänglich, die den blauen Schlüssel haben.

Und das ist auch sehr gut so!

Entspannte Grüße!
Birgit Bauer

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