23 August 2013

Ohne Macht? Wenn das Netz schweigt. Von der Langsamkeit.

Freitag, 16.5. Google ist offline. Einfach so. Weil es passieren kann, dass einem die Server quasi eine Pause verordnen. Auch wenn man das nicht will und auch wenn sich die Aktivität im Netz, so Medienberichte, um ca. 40% verringerte.

Vier Minuten, so hört man, war der Internetriese offline. Und mit ihm alle Dienste, die der User so nutzt.

Es waren vier Minuten, die so manchen internetten User an den Rand des Wahnsinns getrieben haben dürften. Waren sie doch quasi ohnmächtig. Ohne Macht am Keyboard. Sozusagen. Wenngleich das nicht so ganz richtig ist, war es doch "nur" Googledienste, die offline waren. Alle anderen waren ja noch da.

Aber, sie waren ohne Macht, weil Google als Datenriese Wissen birgt. Und das ist, wie wir wissen, eben auch Macht. Abhängig von einer Suchmaschine. Sind wir schon soweit? Internette Junkies die ohne "Tante Google" nicht mehr leben können?

Von einem Moment auf den anderen abgeschnitten von der Außenwelt zu sein, kann schon beklemmend sein. So vielleicht wie die Heldin in Marlene Haushofers Roman "Die  Wand", in der eine Frau von einer künstlichen und unsichtbaren Wand eingeschlossen wird. Allein. Mit einigen, wenigen Tieren. Und nicht angekündigt. Kein Kontakt nach außen.

Das kann schon weh tun und sich komsich anfühlen, aber, es waren nur vier Minuten. Und nur Google. Stelle man sich vor, es würden aus vier Minuten eben mal vier Wochen und das ganze Netz. Na? Schon panisch? ;-)

Was dann los wäre, kann ich mir lebhaft vorstellen. Zunächst wären wir hektisch. Weil sich zuerst wahrscheinlich nur sehr wenig bewegen würde. Man hätte uns quasi zurück in die Vergangenheit geschickt. Alles bräuchte mehr Zeit, Informationen bräuchten noch mehr Sorgfalt und Aufmerksamkeit, eine schnelle Einwegtippselnummer wäre überhaupt nicht mehr möglich. Alles müsste von Hand und in mühsamer Kleinstarbeit zusammengestellt und wie ein Mosaik vervollständigt werden.

Wir würden vielleicht bewaffnet mit Telefon, Lexikas zu diversen Fachgebieten und Atlanten im Kämmerlein sitzen und würden uns durchtelefonieren, verbrächten viel Zeit mit anderen Menschen, die wir kontaktieren, um Fakten zu finden. Wir würden uns vielleicht Nächte in Bibliotheken oder Archiven um die Ohren schlagen, um mühsam Fakten zu erfahren. Ich habe mir lange vorgestellt, wie es sein könnte und endete im Schwarz eines Universums, das ich nicht kenne und in dem ich ohne Kontakt zum Mutterschiff irgendwie schon aufgeschmissen wäre.

Aber anders herum gefragt: Wäre es wirklich so schlimm, zwischendrin einfach mal ein wenig langsamer zu werden? Was wäre falsch daran, zu verweilen, sich genauer umzusehen ...

Es passiert ab und an, dass man auf einmal die Dinge am Wegesrand übersieht, die mindestens genauso wichtig sind, wie das eigentliche Ziel, das viele wie wahnsinnig verfolgen, nur um es irgendwann möglicherweise zu überholen, weil man mit Lichtgeschwindigkeit durchs Netz braust.

Ich finde es spannend, einfach zwischendurch auf die Bremse zu treten und aufpassen. Ruhig zu werden und sich in wichtigen Fragen klar werden, sie mit Abstand betrachten und dann noch einmal aufzugreifen. Meistens finde ich oft noch bessere Argumente, Gedanken und Antworten, die ich dann auch gebe. Weil, das stellte ich auch schon fest, manchmal ist man zu sorglos oder auch arglos und der Blick zur Seite ist es, der dann für Ordnung in der Gedankenwelt sorgt.

Manchmal entscheide ich mich für 4 oder mehr Minuten im Off.  Da kanns dann auch passieren, dass mir vier Minuten ohne Google gar nicht auffallen, weil ichja selbst gar nicht da bin, sondern am Straßenrand stehe und bewusst entschieden ganz woanders hinschaue, Gedankenkrümel betrachte, die sonst in einer Staubwolke beim internetten Davonbrausen sanft zu Boden sinken und unbeachtet bleiben.

Ich kanns nur empfehlen, es einfach zu testen. Offline zu gehen und zu verweilen. Nicht umsonst habe ich in meinen Offlinepausen, die meistens am Wochenende laufen und in denen dann "nur" eine Monitoringmaschine läuft, die besten Ideen oder finde die spannendsten Krümel, um ein Projekt zu entwickeln, einen guten Text zu schreiben oder nur Gedanken einzufangen, sie fest zu zurren und zu sehen, was da noch so geht.

Die Nebenwirkung? Ich bin entspannter, haben den Blick und die Erdung auf das "Mutterschiff" nicht verloren und finde es höchst angenehm und inspirierend, für vier Minuten einfach nur die Stille genießen zu können. 

Wie geht es Ihnen? Sind Sie immer on oder finden Sie im Off die Krümel?

Ihre Birgit Bauer

Copyright by Birgit Bauer 2013


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