26 Februar 2008

Trendgerechtes Kuscheln...? Oder?

Ok, ich bin sicherlich nicht wirklich immer so zickig, wie am heutigen Morgen. Aber wenn man von einem singenden und piepsenden Rammler belästigt wird, noch bevor die erste Tasse Kaffee intus ist, bin ich zickig.

Heute lief er mir quasi als Morgengruß über den Weg. Der Hase mit den Schlappohren, der neuerdings in den Charts auf Platz 1 ist und eine Möhre schwingt. In der Fernsehwerbung ist er auf sämtlichen prominenten Plätzen zu finden, und die Hasimania scheint ihren Lauf zu nehmen.

Das quäkende Langohr will kuscheln und nennt mich Schnuffel, kuschelt mit seiner überdimensionalen Möhre und rammelt sich mit kuschelkuschelkuschel durch meine Gehörgänge.
Und trotz des Gefühls, den Tag schon gelebt zu haben, noch bevor er begonnen hat, setzte sich der quietschende Ostergruß in meinem Kopf fest. Ja, ich weiß, Ziel eigentlich erreicht, aber nur, um heraus zu finden, was es mit dem grauen Plüschgesellen auf sich hat.

Ich recherchierte ein wenig und fand heraus, dass das was einst ein kleiner Klingelton war, jetzt ein richtiger Verkaufsschlager ist. Die Deutschen stehen neuerdings also auf Plüschtiere, die mit verzerrter Stimme Liebeserklärungen trällern.

Eine CD und viele andere den Starstatus des Plüschteils festigende Dinge sind geplant und begründet wird mit "Die Menschen haben ein großes Kuschelbedürfnis" und das Häschen wird somit zum verkuschelten Trend für alle Sehnsüchtigen erklärt, die einen Quickie in Sachen Liebeserklärung und Seelenstreichler benötigen. Und den haben sie ja dann. Auf dem Handy und auch bald auf CD.

An den Bedürfnissen ausgerichtet und auf die Menschheit losgelassen wird eine Komikfigur zum Trend erklärt. Und egal wie geschmacklos oder nervend das Gesamtpaket in der Summe seiner Quietscherei auch ist, wir kaufen. Weil es hip ist, trendy zu sein. Trendgerechtes Kuscheln verordnet vom piepsenden Langohr also.

Ist unser Kuschelbedürfnis wirklich so groß, daß wir nun schon auf Klingeltöne zurückgreifen und sie zu Chartstürmern machen? Brauchen wir Rammler mit Möhre als Ersatzbefriedigung für eine einfache Umarmung?

Wo ist unsere Leidensgrenze hingesunken? Oder ist es wirklich so, dass wir uns zu wenig geliebt fühlen? Haben wir tatsächlich so wenig Körperkontakt mit unseren Mitmenschen und gibt es so selten Streicheleinheiten für uns alle, dass wir neuerdings auf dem Friedhof der Kuscheltiere Anschluß suchen?

Reicht es nicht, dass im Bereich der volkstümlichen Musik von Herzilein, Liebelein und Spatzilein gesungen wird? Müssen wir uns Rammlern aus Plüsch hingeben, um unsere Sehnsüchte zu stillen?

Wäre es nicht besser, ja sogar hipper, würde sich jeder, der noch nicht verkuschelt und verknuddelt wurde, um seine Mitmenschen kümmern.
Jemandem zu sagen, dass man ihn liebt, ist kein Verbrechen. Ebenso wie umarmt, geknuddelt und gekuschelt zu werden.

Müssen wir tatsächlich kleine liebevolle Gesten im zwischenmenschlichen Bereich erst zum Trend erklären, um Umarmungen, Kuscheleinheiten und liebevolle Worte wieder salonfähig zu machen und so auf ganz menschliche Art die Sehnsucht nach Berührung und Zärtlichkeit zu stillen und absolut trendgerecht zu Kuscheln.
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