20 Juli 2009

Shoppingerlebnisse ...

Service und Freundlichkeit? Ja Bitte!

In der „Instyle“ Nummer 6 las ich vor Kurzem einen interessanten Artikel über die Hilfsbereitschaft von Verkäuferin in Luxusläden und der Frage, ob die Wirtschaftskrise an dem Verhalten des Ladenpersonals etwas geändert hat.
Der Titel des Artikels: „Darf ich helfen!“

Die Autorin schilderte eine Situation, die ich den „Worst Case“ beim Shoppen nenne. Das Scheitern an der Arroganz eines Verkäufers und dessen schneller Vorverurteilung.
Ein kurzes Taxieren der eintretenden Kundin und das deutliche Naserümpfen über deren Erscheinungsbild und ein vorschnelles Negativurteil des vermeintlich fachkundigen Personals.
Der Artikel ging von dieser Szene schnell in das positive Gegenteil über. Mit dem Fazit, dass es sehr wohl möglich sei, in Jeans und Sneakers in Luxusgeschäften freundlich und hilfsbereit empfangen zu werden. Es ging um gute Beratung bei kleinen und großen Einkäufen, um Kompetenz und Offenheit. Und um eine vorurteilsfreie Art des Umgangs. Eine schöne Schilderung eines perfekten Bummels.

Vor einigen Tagen erinnerte ich mich wieder an diesen Artikel. Als ich vor einem Laden stand, der ausschließlich Luxuslabels führt. Die Schaufenster offerierten reduzierte Preise und sahen gut aus. Spontan verliebte ich mich in ein Outfit und wollte erkunden, ob es das in meiner Größe gibt.

Vorab sollte ich vielleicht erwähnen, dass ich eine der Frauen bin, die Kurven hat und jenseits von XS lebt, aber wohl proportioniert und keineswegs im Einmannzelt durch die Gegend läuft. Vielleicht sollten Sie auch wissen, dass ich meist sowieso enttäuscht aus diesen Läden gehe. Der Grund ist, dass Designer nicht ganz verstehen, dass auch Frauen mit dem einen oder anderen Röllchen sich von Chirurgen nicht für deren Kleider zurechtschnippeln lassen sondern sie tragen möchten. Aber das ist eine andere Geschichte.

Zurück zu unserem Geschäft.
Ich stand also vor der Auslage, entdeckte den ein oder anderen weiteren Artikel und beschloss, mich umzusehen. Vielleicht hatte ich ja Glück?

Als ich, Jeans, Ringelshirt im Marinelook, sehr in, sagt die oben erwähnte Zeitung, rote Mokassins, passende Ohrringe, wunderbar sitzende Lockenmähne, übrigens auch angesagt lt. Experten, das Geschäft betrat empfing mich: Nichts.

Außer einem abwertenden Blick aus den Augen eines Verkäufers. Er drehte sich um und ging. Ich verfolgte zunächst amüsiert, dann verärgert sein Tun. Er schnappte sich nämlich den nächsten, für ihn noch tragbaren Karton und stellte ihn so auf die Treppe zum Obergeschoss, dass für mich kein Durchkommen in die obere Abteilung war, in der angeblich die Kleider hingen, die ich suchte und wollte.

„Entschuldigen Sie, könnten Sie bitte den Karton etwas zur Seite rücken?“, fragte ich zunächst noch freundlich.
„Wieso?“, kam es patzig zurück.
„Weil ich gerne nach oben möchte, um mir Teile aus Ihrer Auslage in meiner Größe zu suchen.“
„Die passen Ihnen sowieso nicht!“
„Wieso?“
Jetzt war ich gespannt. Ich baute mich vor diesem „Männlein“ (schmächtig, schmalbrüstig, XS) auf und sah ihm direkt in die Augen.
„Weil Frauen wie Sie“, mitleidiger Blick, „hier sowieso nichts finden!“
Noch ein mitleidiger Blick.
„Wir führen nur Kleidung für Frauen, die weitab von großen Größen einzusortieren sind!“ Der Ton war blasiert, unverschämt, das Männlein drehte sich um und ging.
Ich überlegte, was ich tun sollte. Mich aufregen? Den Chef verlangen? Was würden Sie tun?
Wie wäre Ihnen zumute, wenn Ihnen ein Verkäufer so etwas vor den Latz knallt?
Ausflippen? Schreien? Einfach gehen?
Ich entschied mich für direkte Konfrontation. Als Kundin habe ich Respekt verdient. Letztlich war ich bereit, ein kleines Vermögen auszugeben und konnte doch zumindest etwas Freundlichkeit erwarten. Oder?
Eine Tatsache, die der junge Mann irgendwie vergessen hatte, genauso wie die Tatsache, dass ich mit meinem Einkauf seinen Job sicherte. Und das in Zeiten, in denen viele über Umsatzeinbrüche jammern und lamentieren.

Mich nach dem Verkäufer umsehend, wanderte ich durch das Geschäft.
Hinten, an den Kabinen stand der Kerl inmitten seiner Kollegenmeute und lästerte. Über mich, dass, so wie er beschrieb, mollige Mittelklassefrauchen, das meinte, in der "Fashionworld" (Ausdruck des Verkäufers!) mitspielen zu können. Ich musste nicht einmal Lauschposten beziehen, das Organ des Herrn war nicht zu überhören.
Seine Kollegin, die mich erblickte, als ich dem Kerl quasi in den Rücken fiel, wurde blass und verschwand. Der Rest der arroganten Bande verkrümelte sich ebenfalls und ließ den Verkäufer, der noch immer Hymnen auf sich sang, mit mir allein.

Noch während er sich wunderte, wieso er auf einmal alleine da stand und sich verdattert umsah, meinte ich: „Wer so wenig Arsch in seiner Hose hat, sollte nicht solche Sprüche schwingen. Nur eins, bevor ich diesen Laden auf Nimmerwiedersehen verlasse: Sie sind unverschämt, respektlos und wenn sie so weiter machen und weiter Kundinnen und Kaufwillige vergraulen, ist es wohl nur eine Frage der Zeit, dass sie sich unter den Antragstellern auf dem Arbeitsamt wiederfinden. Und Ihrem Chef empfehle ich, sein Personal besser zu schulen und vor allem, sorgfältiger auszuwählen!“

Das hörte der Chef. Er kam sofort zu uns und versuchte, sich zu entschuldigen. Vergeblich. Ich ging. Mein Geld ist woanders besser investiert. Ich musterte den hochrot angelaufenen Chef und den erbleichten Angestellten mit herablassendem Blick und meinte: „In diesem Laden kaufe ich nicht. So viel Freundlichkeit verdient mein Geld nicht!“

Dann ging ich. Unter Beifall. Denn zwei andere Kundinnen waren wohl ähnlich schlecht behandelt worden und johlten hinter einem mit System völlig durcheinander gewühlten Stapel Pullis hervor.

Ich werde zukünftig besser darauf achten, in Läden zu kaufen, in denen man Personal sorgfältig auswählt, ausbildet und anhält, freundlich zu sein. Etwas, das der Ladeninhaber wohl übersehen hat. Schade!
Ich hätte nämlich wirklich gern gekauft. Mein Outfit habe ich trotzdem bekommen. Somit auch mein persönliches, positives Erlebnis. In einem Laden, in dem man mich freundlich und mit Kompetenz beriet und mir sogar noch einen satten Rabatt gewährte und einen Kaffee spendierte.
Das nenne ich Service und ich war sicherlich nicht das letzte Mal in dem Geschäft!
Happy Shopping!
Birgit Bauer
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