15 Oktober 2009

Wünsche für eine bessere Kindheit

Liebe Leserinnen und Leser,

vor einiger Zeit wurde ich von Doris Getreuer (http://www.zfr.at/ueber_mich.php), die derzeit über eine neue Schulform nachdenkt, gefragt, was ich Kindern wünschen würde. Vor allem in Sachen Schule. Ich hatte die Antwort schnell parat: Mein Wunsch für die Kinder ist eine Kindheit, die nicht von Druck oder Leistungsdenken geprägt ist.
Dazu schrieb ich einen Kommentar, den sie im Anschluss lesen können. Vorher möchte ich Sie noch einladen. Unter: http://www.zfr.at/die_neue_schule.php finden Sie Doris neue Schule und wenn Ihnen noch Gedanken kommen, die Ihnen für ein leichteres Schulleben wichtig sind, können Sie diese Ideen dort äußern. Oder hier, bei mir, ich freue mich über Ihre Ideen und Kommentare und werde diese auch weitergeben!
Vielen Dank und viel Spaß!


Damals war alles anders!

Nein, nicht aufhören zu lesen, es geht um die Erinnerungen, die uns wohl am meisten prägten. Die Erinnerungen an die Kindheit und die Schulzeit. Was würden Sie sagen, wenn Sie die Kindheit von heute mit Ihrer Kindheit vergleichen? Damals war alles anders! Oder? Ich würde sogar behaupten, damals war alles besser.

Meine Generation hatte Zeit. Wir konnten nach Herzenslust das Leben erkunden und hatten den Luxus, Spaß haben zu dürfen. Lachen und die Zeit für Streiche und wilde Indianerspiele gab es immer. Der Leistungsdruck in der Schule wuchs mit dem Alter und war somit immer zu verkraften. Wir hatten die Zeit uns in Sachen Sozialverhalten zu testen und zu spielen. Freiraum für Träume war da und wir konnten uns frei entwickeln.

Heute scheinen die Kinder nicht mehr zu wissen, dass ein freundlicher Gruß das Gegenüber erfreut, dass die Natur schön und nicht eklig oder dreckig ist und dass man vom Streicheln einer Katze nicht krank wird. Kinder von heute sind eher Manager als Kind. Ihre Terminkalender sind oft gefüllter als die einer Führungskraft. Anstatt mit Freude und einem Lachen durchs Leben zu gehen, eilen sie verbissen durch den Tag und hetzen von Termin zu Termin. Sozialkontakte finden ausschließlich in den knappen Zeiträumen vor und nach den einzelnen Tagesstationen statt und das, was Kindheit ausmacht, scheint ersatzlos gestrichen. Die Frage ist, woher kommt das? Ist es die Gesellschaft, die uns zwingt, Kinder schon von klein auf zu Verwaltern zu machen oder ist es Ehrgeiz mancher Eltern, die eigene Lücken füllen möchten, sind wir in unserem Wahn, eine Hochleistungsgesellschaft zu sein, bereits so unaufmerksam geworden, dass wir per Regierungsbeschlüssen unsere Kinder bereits im Kleinkindalter zu kleinen Erwachsenen machen, die das Pensum von Managern bewältigen müssen? Ich bin mir nicht sicher, ob jedes Kind mit dem Weg, den es geht, einverstanden ist.

Kinder brauchen eine Kindheit. Mit Spiel, Streit, Lachen und Erinnerungen. Sie benötigen dringend verständnisvolle Lehrkräfte, die sich um ihre Belange kümmern. Mehr Spielraum, im wahrsten Sinne des Wortes. Freiraum für die eigene Entfaltung.
In der Kindheit legen wir den Grundstein für unser späteres Leben, für unsere Persönlichkeit. Diese Entfaltung benötigt Zeit und Raum. Verspielt, verträumt und neugierig, das ist „Kind sein“. Entwicklung in Einklang mit Lernpensum und Leistungserbringung. Das Wahrnehmen von Möglichkeiten, ohne die Gefahr, vom Leistungsdruck überfordert zu werden, muss oberste Priorität in Sachen Entwicklungsförderung genießen.

Unsere Kinder sind zu erwachsen und wir sollten uns die Frage stellen, ob es richtig ist, den Kindern heute das zu nehmen, was starke, selbstbewusste und fröhliche Menschen hervorbringt, die trotz aller Verspieltheit um den Ernst des Erwachsenenlebens wissen, ihre Berufserfolge genießen und ihre Erinnerungen an ihre Kindheit zu schätzen wissen. Nicht damit sie einmal mit Neid auf unsere Kindheit zurückblicken und sehnsüchtig behaupten, dass damals eben alles anders, wahrscheinlich besser war.
Herzlichst,
die mit der lebendigen und fast druckfreien Kindheit: Birgit Bauer
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