06 Dezember 2010

Die Adventsreise Tag 6

Heute ist Nikolaustag! 
Der Tag, an dem am Abend düstere Gesellen durch die Straßen ziehen, die Begleiter des heiligen Nikolaus, der eigentlich ein heller, sonniger und gütiger Mensch ist und war. Die dunklen Gesellen sind hier bei uns als Krampus bekannt und manchmal ein wenig frech mit ihrer Rute.

Der Nikolaustag war immer sehr spannend für mich. Denn, wenn der heilige Mann kam, war das ein erster, richtiger Vorbote von Weihnachten. Es gab immer einen kleinen Gabenteller, Nüsse, Orangen, Lebkuchen, ein kleines Geschenk war manchmal auch dabei. Bei mir waren es immer Socken oder Handschuhe. 

Wir haben uns als "Kleine" immer überraschen lassen, waren gespannt und erschraken, wenn es an der Türe schepperte, rasselte und wummerte. Am Abend, wenn alles ruhig wurde, kam der heilige Nikolaus und hatte dieses goldene Buch, in dem alles stand, was man während des Jahres angestellt hatte. 
Woher er das wußte, war uns oft schleierhaft und ja, als Kind glaubt man eben an Nikoläuse, Christkindl und die Zeit vor Weihnachten ist eine wunderbare Zeit voller Geheimnisse. 

Ich kam dem Geheimnis im Alter von ungefähr 5 oder 6 Jahren auf die Spur. Eine Freundin hatte mir damals erzählt, dass sie wisse, dass der Nikolaus von den Eltern bestellt würde und dass sie auch dafür verantwortlich wären, was man bekommt und was der Nikolaus von einem so wisse. Und das Christkindl, das schmückt den Baum nicht, das macht die Mama und die Geschenke kaufen die Eltern. 

Enttäuscht war ich damals und mir gefiel diese Vorstellung nicht wirklich. Sie entzauberte alles, stellte alles in Frage. Wie gemein! 

Doch, neugierig und frech wie ich war und bin, beschloss ich, dem Geheimnis vom Nikolaus auf die Spur zu kommen. Mein Plan war einfach: Den feinen Herrn, der am Abend kommen würde, genauer ansehen, auch wenn ich dabei ein wenig Angst verspürte. 

Am Abend, ich bastelte gerade an einem Strohstern, war es dann soweit. Ein finsterer Geselle mit einer urkomischen Jacke, die golden schillerte und Pelzränder hatte, einem üblen Tirolerhut mit einem roten Farbfleck drauf und mit schwarz verschmiertem Gesicht stand vor mir. 
Ich zitterte wie Espenlaub, blieb aber tapfer. Denn, mir kam der Typ wirklich mehr als bekannt vor. 
Er redete mir ins "Gewissen" und ich sagte brav mein Gedicht auf, nahm mein Geschenk in Empfang und verabschiedete mich höflich und mit einem Grumeln im Bauch. 

Die Stimme? Woher kannte ich sie? Und der Hut, der war mir klar, es war der alte Arbeitshut meines Vaters, der einen roten Spritzer abbekam, als er einen Kratzer an seinem Auto reparierte. Die Jacke kannte ich nicht, aber die  Gummistiefel und die Jeans des feinen Herrn Nikolaus, der sich als Krampus bezeichnet hatte, weil ich ja so ein "böses Mädchen" gewesen war, konnte ich einem Nachbarn zuordnen. 
Lange Rede, kurzer Sinn: Ich enttarnte den Schlingel, als er kurz anrief und ich ans Telefon ging. 

Und als ich mit meinen neuen Socken und einem Bauch voller Marzipan im Bett lag, war mein Kommentar zu meiner Mutter: "Der Onkel E. war aber kein guter Nikolaus!"
Dann schlief ich ein, mit neuem Wissen, aber den Zauber des Advents habe ich mir nicht nehmen lassen. Ich habe ihn immer im Herzen behalten und schmunzle heute über so manche "Enttarnung" später. 

Die Faszination bleibt, die Freude auch und ich bin im Herzen doch das kleine Lausemädchen geblieben, wenn es um Weihnachten geht und das ist schön. 

Sind Sie auch noch im Kind ein kleiner Lauser? 

Nikolausige Grüße
Birgit Bauer
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