08 Dezember 2010

Die Adventsreise Tag 8

Willkommen im 8. Tag des Advent - Das fiese Weihnachtsvirus

Manchmal frage ich mich, wieso der ein oder andere gerade im Advent richtig streitlustig ist. Es ist spannend zu sehen, dass gerade in der von vielen als "still" bezeichneten Zeit, Befindlichkeiten ihren Weg nach außen finden. Am Arbeitsplatz, im Dialog miteinander, an Metzgerstheken und in Bäckerläden, in Geschäften, überall schwelt das Aggressionsfeuer bei vielen zunächst im Verborgenen, bevor es ausbricht, wenn der letzte Wurstzipfel oder der letzte Teddy einem vor der Nase weggeschnappt wird. 

Schade eigentlich, denn das Jahr geht zu Ende und man sollte sich doch über das freuen, was so während der ganzen Zeit Gutes passiert ist, sich entspannen, genießen. Dafür, so dachte ich, wäre der Advent auch da. Oder?

Anstatt sich zu freuen und sich auch selbst zu entspannen, reißt man Löcher auf, streut genüsslich Salz in Wunden und macht anderen gerne mal das Leben schwer. Es ist Zeit, über das fiese Weihnachtsvirus zu reden, das mir gerade in den letzten Tagen immer wieder begegnet ist.
Denn der Advent ist nicht nur die Zeit der Ruhe, des Zaubers und der Besinnung, es ist auch die Zeit der üblen Laune, der panischen Anfälle, Stressattacken und auch eine Zeit der Abreagierungsaktionen, die meist auch nicht wirklich etwas bringen.

Es scheint an der Hektik und dem Stress zu liegen, von dem sich viele überfallen lassen, weil ja noch ein Geschenk für Mausi, ein Präsent für Schubsi und eine Gabe an Tine besorgt werden muss und das alle anderen zu übertrumpfen hat und weil man ja ein perfektes Weihnachtsmenü kredenzen möchte und der Lieferant nicht aus der Knete kommt. Dazu kommt der fällige Großputz, die Planung aller Besuche, ein neues Outfit und vieles mehr. Panik im Hals und extrem üble Laune sind dann oft vorprogrammiert.
Stress hausgemacht. Finde ich. Und völlig unnötig. 
Da werden Befindlichkeiten gehegt, die nicht nötig wären, da wird die schlechte Adventslaune oft an anderen ausgelassen und anstatt sachlich zu bleiben, teilt man aus. Danach? Ist man für einen kurzen Moment entspannt, der andere extrem verspannt und was hats gebracht? Nichts! Weils eben ein Quickie war. 
Eine schnelle Nummer, die nur weitere Konsequenzen mit sich bringt, die man aber erst später bemerkt. Nämlich dann, wenn die Panik abgeflaut ist, man selbst im neuen Jahr ankam und auf einmal merkt, dass der ein oder andere Neujahrsgruß mehr als sparsam ausgefallen ist.

Die Diagnose: der fiese Weihnachtsvirus hat einen voll erwischt. Kam angewackelt, klein, triefend und giftiggrün schwabbelte das Teil daher, sprang auf den hektischen Zug auf und verteilte großzügig seinen Panikstaub, zerstreute Aggressionspillen und tropfte Druckstellen auf und schon war man mittendrin. Im Rausch der befindlichen Verteilung von schlechter Laune.

Dabei wäre es so einfach: Ein wenig Reduktion an der Geschenke- und Menüfront, weniger Drama in Sachen Perfektionismus, ein wenig Entspannung für das eigene Seelchen und ein wenig Reflexion und Ruhe würden ein kleines Wunder wirken. Nämlich das, dass wir wieder miteinander reden und nicht versuchen, uns gegenseitig mit dem fiesen Weihnachtsvirus anzustecken.

Der Advent wäre ruhiger, stressfreier und genau das, was seine Definition uns sagen will: 
Die staade Zeit! 

Ruhige Grüße
Birgit Bauer

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