02 Februar 2011

Vom guten Ton und hingerotzten Mails!


Ach was war es früher schön. Sicherlich denken Sie jetzt, dass ich fürchterlich ins Schwärmen an alte Zeiten gerate, und lesen bestimmt nicht weiter.

Halt! Stopp, bleiben Sie! Ich schränke ein:

Als ich früher in der Schule in der kaufmännischen Abteilung auch Schreibmaschinenunterricht bekam, fand ich das ausnehmend lästig. Klappernde Ungetüme und 30 Schülerinnen, die im Takt fff ddd sss sas agf tippten und immer schön den Rhythmus warten. Und wehe eine ratterte schneller!

Doch wir entwickelten uns und kamen aus der Buchstabensucherei heraus, schrieben ganze Wörter, fassten sie in Sätze und am Ende in ganze Texte. Blind und mit dem Blick starr auf das Blatt Papier vor uns gerichtet.
Wir trainierten die Zahl der Anschläge akribisch und waren froh, wenn uns die Maschinenschreibschwester, ich war an einer Klosterschule, endlich aus der Stunde entließ.
Doch, so sehr wir dieses Stakkato von mechanischen Schreibmaschinen hassten, so spannend wurde es am Ende. Wir lernten, richtige Briefe zu schreiben. Briefe mit Absender oben links, Ort und Datum rechts, einem Betreff, der das Anliegen ankündigte, einer korrekten Anrede, einem gegliederten Text und einer Verabschiedung, einem Gruß.

Ganz unten folgte dann der Hinweis auf mögliche Anlagen und für unschöne Unterschriften die getippte Namensübersetzung.

Es waren sorgfältig formulierte und getippte Schreiben, die einen guten Ton ins Spiel brachten, uns im Prinzip die Umgangsformen des Briefs näherbringen sollten. Wissenswerte die uns bis heute, so unsere Maschinenschreibschwester, begleiten sollten.
Sie ging nämlich davon aus, dass wir immer solche Briefe schreiben würden. Damals gab es zwar Faxe, aber noch keine Mails und selbst die Faxe waren in einer guten Form verfasst und eine Besonderheit.

Doch seit es Emails gibt, scheint der Verfall der guten Umgangsformen im Internet nicht mehr aufzuhalten zu sein. Schade eigentlich.
Da wird mit Anreden gespart, Grüße sind selten und ein wenig Gliederung im Text und Brief fehlt oft völlig. Befehlston ist angesagt und ein wenig guter Ton? Hä? Nicht nötig! Mach einfach und gut!
Da wird „MfG“ und „asap“ ein Doc verlangt, das 4YEO ist und kein C&P erlaubt, weil es sonst der DAU diese eine FAQ doch  noch versteht und kP hat. Dann wird’s IRL richtig fies und man muss zugeben SCNR! . CUL8TR. Ok? Nicht? JFGI!
(Hier finden Sie eine kleine Übersetzung der ruppigen Nummer im Netzjargon: Ihre Übersetzungsmöglichkeit bei Wikipedia )

Da werden Namen eingespart, eine genaue Beschreibung des Anliegens ist auch nicht möglich. Kostet Zeit, Zeit Geld und Geld hat keiner. Hört man.

Wenn ich solche Emails erhalte, fühle ich mich immer etwas vernachlässigt, bei manchem steigert sich das Gefühl, das man dann eher als ausgenutzt bezeichnen könnte. Ist das Anliegen es nicht wert, vernünftig formuliert und in einem guten Ton transportiert zu werden?
Mit einer vollständigen Anrede, einem freundlichen Gruß und vielleicht einem Dank im Voraus an den Empfänger adressiert und versandt.
Einfach so, um zu zeigen, dass man interessiert ist und dass dieses Anliegen oder auch das Email und dessen Grund dem Absender wichtig sind. Von guten Umgangsformen will ich gar nicht anfangen. Ich begrüße Menschen jedenfalls nicht mit einem hingeraunzten „Hi“. Sie etwa?

Es scheint, dass das Internet, so schnell es sein mag und so praktisch es ist, ein umgangsformfreier Raum wäre. Was es aber nicht ist. Genauso wenig, wie man es als rechtsfreien Raum betrachten wird. Selbst hier gilt die ein oder andere Umgangsform und Rechtschreibregeln.

Emails sind keine vogelfreien Schmierblätter, sie bringen Informationen, vermitteln Anliegen und Wünsche, sprechen Probleme aus und wollen jemanden erreichen. So ein elektronischer Brief übermittelt eine Botschaft und ist oft der erste Eindruck, den jemand von einem Absender erhält. Eine erste Meinung und genau die ist es doch, die zählt und die man am schwersten von allen revidieren kann.

So ein elektronisches Schriftstück ist mehr. Es ist ein Brief. Genauso wie die, die wir einst auf unseren klappernden und hämmernden Maschinen von Hand und im Blindflug tippten.

Sie hatte schon Recht, die Maschinenschreibschwester. Wir schreiben auch heute noch Briefe. Gut, nicht mehr so oft von Hand, sondern eher via Mail und die Nummer mit der Rechtschreibung ist wirklich einfach, uns wird geholfen. Automatisch, wenn wir das möchten.
Ein gut verfasster Brief, egal ob auf Papier oder auf elektronischem Weg hat seine Wirkung selten verfehlt und das ist auch gut so und manch einer darf sich jetzt gerne ertappt fühlen, denn lieblos getippt ist so eine Nachricht schnell. Jedoch so geschrieben, dass alles gelesen und auch verstanden wird, ist ein Stück Arbeit, das nur den ernsten Hintergrund des Schreibens betont und widerspiegelt. Wer ist nicht gerne mit einem ersten Brief bereits erfolgreich, wenn er etwas möchte?

Und wer mir jetzt erzählt, dass er mit einem lieblos und formlos dahergepinselten und von Rechtschreib- und Grammatikfehlern strotzenden Email, das er zwischen einem Kaffee zum Mitnehmen (Ich kenne to - go, mag es aber nicht!) und einem nach Plastikfolie schmeckenden Wurstbrot (Sandwich im Neudeutschen) etwas erreicht hat oder erreichen kann, dem glaube ich nicht.
Denn so eine Mail mag ich nicht und meist schicke ich den Absender in eine Warteschleife, die dann leider auch etwas länger dauern kann. Ich mache ja. ASAP! Bestimmt!

Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag!

Herzliche Grüße
Birgit Bauer
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