25 April 2012

Die Komfortzone

Sie ist weich, anschmiegsam und so richtig bequem. So wie ein gut eingesessenes Sofa, das nur darauf wartet, einen mit seinen kuscheligen Kissen zu umarmen und sich wohlzufühlen ...

Der Redaktionskater in seiner ganz persönlichen Komfortzone.

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier und liebt diese Kissenumarmungen und Momente des Glücks, die sich auch darin befinden. Sie ist eine Verführerin, alles so zu lassen, wie es ist. Veränderungen mag sie nicht.  Deshalb wird sie auch zur eisernen Umklammerung, wenn es darum geht, etwas zu tun, was nicht in den Plan passt.

Wir reden von der Komfortzone. Sie ist bei jedem anders und sicherlich gibt es Menschen, die ihre Grenzen schneller überwinden und sich aus der Klammerumarmung befreien können. Es gibt auch Menschen, die sind so auf ihr Sicherheitsbedürfnis geeicht, dass sie Veränderungen nur selten in Kauf nehmen und das Risiko des Scheiterns, das beim Verlassen der Komfortzone entsteht, niemals eingehen würden. Es könnte ja schief gehen! Oh mein Gott! Was dann?

Wer nicht wagt, der nicht gewinnt! Ein Spruch, den mir meine Oma schon erzählte und der dem Komfortzonenbewohner durchaus zunächst eher unangenehm sein wird. Etwas wagen, weil man etwas gewinnen könnte, wo aber doch auch die Chance besteht, etwas zu verlieren. Wissen kann mans vorher ja nicht. Und tun muss man dann ja auch noch was dafür!

Das führt zum Zaudern und Zögern, zum Grübeln und zu halbseidenen Lösungen, die aber im Endeffekt das Leben auch nicht besser, sondern eher schlechter machen.

Denn Komfortzone verlangt Kompromissbereitschaft. Eindeutige Lösungen, die für alle gut sind, gibt es nicht. Es geht darum, dem Bewohner etwas aufzudrücken, was er eigentlich nicht mag, ihn aber gleichzeitig mit der Bequemlichkeit zu ködern. Dieses Ködern bringt nur Bequemlichkeit für andere, für den Komfortzonenbewohner ist das nur ein vorgegaukeltes Wohlgefühl.

"Wenn du das so in Kauf nimmst, wirst du nicht streiten müssen, du wirst nicht ablehnen oder etwas erklären müssen und du wirst keine Steine im Weg liegen haben", leiert das freche Zönchen verführerisch.
Ihr Zauberbild: Da ist ein Weg, gerade, glatt und ohne Holpersteine, einer, der zwar ein oder zwei kleine oder große Opfer abverlangt, aber dafür himmlische Ruhe bietet.
Es kann alles so bleiben, wie es ist. Denkt man und bringt die Opfergabe auf dem Altar der Komfortzone, nur um der einen oder anderen Unbequemlichkeit aus dem Weg zu gehen.

Allerdings eine Nebenwirkung gibt es: Das Opfer, das man bereit ist, zu bringen, kann bitter sein. Man tut um der Ruhe willen etwas, was man eigentlich nicht will. Der einzige Weg, solche Dinge abzuwenden, etwas zu verändern oder sich neue Freiräume zu erobern, ist das Verlassen der Komfortzone und das ist verdammt schwer. Ein Dilemma.


Ich bin neuerdings komfortzonenberatungsresistent. Weil es schon stimmt, was meine Oma sagte: Wer nicht wagt, gewinnt nicht. Sicherlich waren es Schritte, die mir zuerst ein wenig Angst machten, Panik in mir hervorriefen und mir ein wenig Grübelzeit verschafften, aber letztlich war es gut so.
Zeichen wurden gesetzt, Botschaften klar übermittelt und der Weg, den die Komfortzone mir vorgaukelte, hätte sich als wesentlich mühevoller erwiesen.

Komfortzonen sind gut und schön. Ganz ohne geht es auch nicht. Manchmal braucht man dieses vermeinliche Glück einfach. Aber wenn man etwas erreichen will, sozusagen den nächsten Level betreten oder etwas oder jemanden bewegen möchte, muss man etwas dafür tun. Der erste und wohl schwierigste Schritt ist es, die eigene Kuschelzone zu verlassen, die Ohren anzulegen und die Sache, die man erreichen möchte, anzupacken. Sonst endet man in ewigem Reden, Wollen und im Konjunktiv, der sich nie erfüllen wird, weil die Komfortzone dann doch die Oberhand behält ...

Copyright Bild und Text by Birgit Bauer 2012
Kommentar veröffentlichen