13 März 2013

Schatz, das gibt der Stundenplan nicht her!



Zur Zeit mache ich eine Weiterbildung über 14 Monate in Sachen "Journalismus". Ein Bestandteil dieser Ausbildung ist die Möglichkeit, sich so genannte "Soft Skills“ zu erarbeiten. „Soft Skills“ werden auch als „weiche Eigenschaften“ bezeichnet. Sie umfassen Themen wie Teamfähigkeit, Motivation oder auch Zeitmanagement. Besonders den letzten Punkt finde ich mehr als spannend. Denn, ja: Zeit muss man managen.

Mit gesundem Menschenverstand und Blick auf alle Aufgaben. Es gibt ein Kontingent von 24 Stunden und basta. Mach das Beste draus, ist die Botschaft.

Ich bin Meisterin des Plans, zumindest dachte ich das bisher und habe auch alles, was anstand vernünftig erledigt. Jetzt wieder zu Lernen ist eine (wenn auch zeitlich begrenzte) Sache, die ich unterbringen muss und bisher sah ich darin keine Probleme. War ich doch der Meinung, dass eine Weiterbildung per "Fernstudium" durchaus dafür geeignet ist, im eigenen Zeitsystem zu arbeiten und Spaß beim Lernen zu haben.

Doch dieses Mal ist alles anders. Eine Aufgabe, die man mir vor Beginn stellte war:

Stellen Sie einen Stundenplan auf.

Zunächst las ich motiviert in der dazu gehörenden Broschüre die Möglichkeiten, ergründete meinen Lehrntyp (kreativ, visuell und anpackend) kam aber schnell zum Schluss, dass es Lücken im Stundenplansystem gibt. Ich las von leichter Hausarbeit, die man mir für Pausen vorschlug. Amüsiert dachte ich darüber nach, dass ein wenig Abstauben nicht schaden könne, in 90 Minuten ist das ein Klacks.

Was mir nicht klar war: es gibt offenbar nur leicht. Das Wort der Stunde.
Feudeln gegen Katersouvenirs, Haarbommel oder die Fenster sind nicht eingeplant. Gut, wer putzt schon gerne die Fenster, dachte ich und war froh, dass man mir auch vorschlug, zwischendurch eine Tasse Kaffee zu genießen und auch Mahlzeiten einplante.

Allerdings hatte man vergessen, dass man Essen kaufen, einlagern,und noch zubereiten muss. Als Teilzeitprofihausfrau kann ich das, aber leider passt es nicht in den vorgesehenen zeitgemanagten Stundenplan, der die weichen Fähigkeiten wie tröstliche Mahlzeiten für die Familie zuzubereiten nicht vorsah.

Dafür plante man aber die Abgabe meiner Hausarbeiten und Prüfungen, ordnete Stoffwiederholungen an und wann ich Lehrmaterial kaufen könne. Falls ich mir das dann leisten konnte. Denn das Verrichten von fair bezahlter Arbeit wurde nicht erwähnt und passt eigentlich auch nicht ins Schema. Genauso wie Schlafen, Kontakt zur Außenwelt, Körperpflege und emotionaler Austausch mit dem Partner.

Ich sah mich schon an letzten Papierfetzen nagend, unausgeschlafen und dem Stundenplan hinterher hechelnd einsam und allein zur Einsiedlerin werden. Eine zerfledderte Frau, die nach Plan zertifiziert Zeit planen kann und einsam vor sich hin müffelnd mit verklebten Haaren weitab jeglicher Realität auf die nächste Zensur wartet und sich über die neuen Soft Skills freut.

Eine Vorstellung, die mir weniger gefällt. Ich kann nämlich vom gepriesenen Zertifikat über meine Soft Skills nicht leben. Papier schmeckt nicht und bis mir das Pamphlet vorläge, wäre ich bestimmt längst verhungert. Oder so.

Eigentlich hatte ich das „Fernstudium“ genau aus dem Grund gebucht, den man mir schmackhaft machen wollte: Ich wollte in meinem Takt und mit meinem Zeitmanagement arbeiten. Ich lerne nicht auf Kommando oder nach Stunden, sondern wenn Zeit dafür da ist. Natürlich setze ich mir selbst Fristen, um mit dem Lernen voran zu kommen und Prüfungen einzureichen, aber in meinem Takt. Denn: Aufträge lassen sich oft nicht planen. Sie kommen oft ungeplant, besonders, wenn man Journalistin ist. Und Soft Skills sind gut und schön, solange sie sich im wahren Leben umsetzen lassen. Denke ich. Ob ich irre?

Was solls. Ich werde nun verschärft mein Zeitmanagement in Ordnung bringen. Gelobe Besserung und habe auch schon eine genaue Vorstellung vom Ergebnis der Umsetzung der wirklich hilfreichen Vorschläge:

Ich werde mit Wollmäusen in der Mähne und mit meinem Staubwedel durch das Haus schreiten, mich an der leeren Kaffeetasse (ungeplantes Nachfüllen ist nicht!!) festhalten und in kleinen Entspannungspausen von 15 Minuten zusehen, wie Spinnen ihre Schlösser in meinen Zimmerecken kleben. Ich werde eine großartige Figur entwickeln, von meinen angefutterten Speckreserven leben und beim Lehrinstitut aus Gründen des Zeitmanagements (Arbeiten ist nicht vorgesehen, somit kommt keine Kohle) um großzügige Rabatte bitten, falls das das Zeitmanagement hergibt.

Und sobald mein Herzblatt nach einem frischen Hemd fragt, sich nach einer Mahlzeit erkundigt oder den sozialen Austausch pflegen möchte, würde ich verwirrt und mit großen Augen auf die leicht staubige Uhr in der Küche blicken, am Zertifikat lutschen und soft geskillt mit weiser Stimme sagen:

Schatz, das gibt der Stundenplan nicht her.
 
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