04 Februar 2014

Eigentlich wollte ich ja nicht ...

... dir, Facebook, zum 10-jährigen Geburtstag gratulieren.

Weil ich dich zu Beginn nämlich gar nicht wollte. Ich konnte dich nicht leiden. Du warst für mich das, was ich gerne mit einem Holzpflock ins Herz ausgelöscht hätte. Ein Vampir, der mein Datenblut aus meinen Adern saugt und sich alles schnappt, was ich zu geben habe. Netzwerken geht anders, denke ich ...
Ich fand dich schräg, komisch, unhandlich, doof und überhaupt nicht attraktiv.

Dass ich dich doch besichtigte, liegt an meiner Neugierde und der Frage, wieso dich andere so anziehend fanden. Irgendwann buchte ich mich ein und fand deine Neugierde lästig. Aber wer selbst neugierig ist, darf das den anderen nicht verbieten. Und man kann deine Fragen divenhaft entrüstet wegklicken und dich für einen  Moment hassen. Wenn man das möchte. Manchmal tue ich das. Das muss ich zugeben.

Du bist extrem neugierig. Was los ist, fragst du mich ständig und wenn ich dir ein Bild schenke, freust du dich, kann man doch so gut verwenden. Du vor allem, deine Konditionen sind nicht immer akzeptabel. Für den User.

Manieren hast du auch nicht. Sonst würdest du mir nicht abwechselnd Gewichtsreduktionsanzeigen um die Ohren hauen oder mir etwas über Gesundes erzählen. Ja, ich weiß, das tust du nur, weil ich irgendwann etwas in der Art gepostet habe oder klickte, du meinst, alles zu wissen. Tust du das? Dass du mich dann als Ausgleich mit Klamotten und Schuhen zufriedenstellen willst, ist scheinheilig.

Unsere Freundschaft ist keine. Hassliebe? Ich weiß es nicht so genau.

Doch irgendwie hast du mich dann doch überredet zu bleiben. Was aber nicht an dir, sondern einigen wenigen Menschen liegt, die ich über Facebook kennen- und schätzen gelernt habe.

Deine Stärke ist, vielen Menschen das Gefühl zu vermitteln, dass man sich bei dir zu Hause fühlen darf. Du erzeugst bei vielen deiner User das Bedürfnis wiederkommen zu wollen. Genialer Coup. Das muss ich zugeben. So ganz kann man sich dem nicht entziehen. Zumindest nicht immer. Und nicht, wenn Frau neugierig ist. Dieses Wohlfühlen dürfte auch der Grund dafür sein, dass viele oft nicht darüber nachdenken, was sie so von sich geben. Was wiederum eine der oft erwähnten Risiken und Nebenwirkungen ist, die du so hast, wer sich zu sehr einlässt, lässt sich auf ein Spiel mit der Gefahr ein, denn du bist öffentlich und somit auch deine Teilnehmer.

Mittlerweile bist du groß. Frisst mehr und mehr Daten, hast Probleme mit Teenies und das Leben machst du uns auch nicht immer leicht, wenn es um technische Möglichkeiten geht. Wie die, ein Impressum richtig einzusetzen, was wir ja aktuell wieder einmal heftig diskutieren. Du bist egoistisch, fordernd, mampfst dich fett und doch, für einen Moment verweilt man. Aber pass auf, übergewichtiges Leben ist nicht gesund.

Du bringst Menschen in Zwiespalte, hin- und her gerissen reagiert so mancher. Ob man dich braucht, wird wohl ewig diskutiert werden und ob man dich mag, wohl auch.

Wir haben uns zusammen gerauft, coexistieren, akzeptieren uns und deine neugierigen Fragen ignoriere ich weiter geflissentlich. Ich bin der Meinung, dass du nicht alles über mich wissen musst.

In diesem Sinne, wir werden unser Fragen - Antwortspiel wohl weiterführen. Du wirst fragen, ich werde nicht antworten. Aber ich werde dich beobachten, denn es ist interessant zu erfahren, wie es weitergeht mit dir. Der Fluss der Veränderung ist bekanntlich nicht aufzuhalten und er wird uns beide mitreißen. Du wirst dich verändern, eine neue Form annehmen, die sozial mediale Welt wird sicherlich neue Wege gehen wollen und müssen. Wer weiß, was noch so passieren wird.

Es wird bestimmt spannend und wir werden uns wohl beide belauern, beobachten und immer wieder neugierig fragen. Ob wir Antworten bekommen? Wir werden sehen. :-)

Bis dann, drüben, bei Dir!
Birgit



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