30 Januar 2014

Der BESTE! - Beobachtungen aus dem Netz!

Surft man sich so durch die sozialen Netzwerke könnte man manchmal auch denken, man wäre im Zoo. Da gibt es Affen, die Zucker brauchen und danach kreischen, ruhige Elefanten, deren riesiges Gedächtnis nichts vergisst, Löwen brüllen von ihren Felsen ins Rudel. SSSSSSChlangen schlängeln sssssich durch den Urwald, der voll ist mit kleinen und großen Bewohnern.




Man beobachtet und wird beobachtet.

So wie ich von dem hübschen gefiederten Genossen, der erhaben auf mich herabblickte und meine Brotrinde verabscheute, weil es doch Besseres gab.

Das Wurstbrot auf dem anderen Felsen. Der Vogel war arrogant, äugte neugierig und benahm sich, als könne ihm keiner das Wasser reichen ....

Solche Vögel findet man auch in den sozialen Netzwerken. Hier und da und manchmal und sie haben mich inspiriert. Deshalb gibt es heute keine Sach- und Fachgeschichten, sondern schlichte Gedanken über die "Besten"!






Aalglatt wand er sich durch die Straßen der Stadt. Lächelte hier, gönnte da und war ein ganz Großer. Er war der BESTE.

Seine Wortwahl brillierte vor seinem Publikum. Er war nur das Beste gewohnt, ein Mensch von Welt. Weit gereist, sprachlich gebildet, belesen, sein Geist war gefüllt mit Zitaten.

Gab er einen Kommentar von sich, war das Gesetz. Der Laufzettel für diejenigen, die unter ihm standen. Sollten sie von ihm lernen. Von seiner geschmeidigen Art, die Dinge der Welt so zu interpretieren, dass sie ins Weltbild passten. In seines, versteht sich. Ein anderer Gedanke fand darin nur wenig Platz. Außer, er konnte ihn gebrauchen, verwenden und in seinem gepflegtem Jargon, von dem er annahm, dass er ankam, wieder geben. Als seinen Gedankenblitz verkaufen, zu Geld machen.

Er würde nie so plump sein wie der Rest der Welt. Niemals! Und wehe es wagte ein anderer zu behaupten, dass er der BESTE sei, war er schnell unter süffisantem und vermeintlich subtilem Gedankengut begraben. Vollgekleistert mit Häme und einem gefälligen Lächeln derer, die am Saum seines Sakkos hingen.
                                 
Natürlich gönnte er jedem sein Glück. Solange es nicht seines in Frage stellte. Passierte das, gab es Ärger. Eine Armee Anhänger scharrte sich um den „Infragesteller“  und deckte ihn mit dem viel zitierten Wortgut des BESTEN ein. Oft benutzt und ausgelutscht, nach einem Moment schal, dennoch im ersten Augenblick wirkungsvoll, waren seine Worte. Man war in der Lage, sich gewählt eines lästigen Mitmenschen zu entledigen, indem man ihn in den Wortfluss stieß und ihn dort quasi zwischen den Zeilen ersaufen ließ.

Sein System funktionierte. Seine beste Freundin hieß Arro-Ganz. Eher eine graue Maus umgarnte sie ihn mit ihren Weisheiten. Ließ ihn glänzen und müde lächeln, wenn eine Bemerkung zu unelegant über die Lippen anderer stolperte. Amüsierte sich mit ihm über das nicht Erkennen seiner brillanten Subtilität, mit der er glaubte, andere auffällig unauffällig über ihre eigene Minderbemitteltheit aufklären zu können. Arro-Ganz verschaffte im Anziehungskraft, Publikum, das ihm huldigte. Sie hatte ganze Arbeit geleistet. Das Ziel war erreicht. Das BESTE für den BESTEN.

Als er sich eines Tages ins beste Restaurant begab um dort das beste Menü zu genießen, war er allein. Mutterseelenallein. Am Ende des Abends, kurz vorm Verlassen des Lokals entdeckte er eine Tischgesellschaft. Die Gruppe lachte und genoss. Als ein Geschäftspartner auftauchte, sich zur Runde setzte und einen Teller Pasta in Angriff nahm, begegneten sich ihre Blicke.

Guten Abend, setzen Sie sich doch zu uns! Ein einladendes Lachen folgte.

Der beste Mensch lehnte ab. Zu diesem plumpen Grüppchen würde er sich nie setzen. Niemals!

Na dann, wünsche ich Ihnen einen schönen Abend. Der Geschäftspartner wandte sich ab. Eine Bemerkung von rechts ließ ihn schallend auflachen und den BESTEN vergessen.
Wie? Ach das ist nur ein Geschäftspartner. Den habe ich noch nie mit anderen gesehen und zu uns wollte er sich nicht setzen … wie? Parmesan? Ja, hier!
Der Parmesan wanderte rund um den Tisch, begleitet vom Lachen aller und er stand da.


Der BESTE. Aalglatt und schick. Elegant, erfolgreich, gebildet, vergessen und irgendwie dann doch ALLEIN. 




Copyright by Birgit Bauer, 2013
Bild und Text Birgit Bauer 



Kommentar veröffentlichen