23 Februar 2009

Loslassen

Vor einigen Tagen stolperte ich über die Frage, wie man aktiv loslässt.
Loslassen ist offenbar ein in unserer Gesellschaft ein großes Thema. Wir leben immer bewusster, aktiver und konzentrieren uns im Zeitalter von Selbstfindung, Coachings, Feng-Shui und alternativen Heil- und Hilfsmethoden aus der Natur immer mehr darauf.

Das „Wert volle“ Leben wird immer wichtiger. Wir leben unser Leben achtsamer und reagieren sensibler auf das, was uns bewegt, fühlen lässt oder uns auch belastet. Und wenn etwas belastet, wird das Ritual des Loslassens in die Tat umgesetzt.

Man kann Einstellungen loslassen, ebenso die Vergangenheit, Menschen oder Situationen. Aktiv steuern wir den Prozess und entscheiden uns für etwas oder dagegen. Entscheiden wir uns gegen etwas, lassen wir es hinter uns und setzen unseren Weg fort. Es ist ein Entwicklungsprozess und wir suchen Techniken, um uns zu lösen.

Auf meiner Suche fand ich auch in der Kinesiologie das Loslassen in einer Übung.

Birgit Ebner, Kinesiologin aus Traun in Oberösterreich, mit der ich mich darüber unterhielt, wusste mehr.
Die Fachfrau über ihre Arbeit:
„Kinesiologie ist die Wissenschaft der Bewegung und Bewegtheit des Menschen.(griech.: Kinesis > Bewegung, Logia > Lehre)“

Es geht also tatsächlich um Bewegung. Nicht nur die körperliche Art der Bewegung, sondern auch die geistige Bewegung. Das Thema heißt übersetzt: „Veränderung“ oder auch „Entwicklung“.
Bewegt man sich zu schnell, kann es sein, dass andere Menschen in der näheren Umgebung das Tempo nicht halten können oder durch einen selbst in einen Spiegel sehen, dessen Bild ihnen nicht gefällt.
In solchen Fällen ist es meist besser, loszulassen. Sonst kann das Hadern mit der Veränderung oder der eigenen Entwicklung schnell zum Bremsstein für die eigene Haltung, Gesundheit und Entwicklung werden.

Birgit Ebner hat mir die Übung des Loslassens gezeigt und sie ist wirksam, das kann ich nur bestätigen. Ich möchte die Kinesiologin an dieser Stelle auch zu Wort kommen lassen. Ihre Meinung zum Loslassen:

„Loslassen ist wichtig für den Menschen, seinen Geist und seine Seele. Nur wenn man Altes, möglicherweise Unbrauchbares loslasse, entsteht Platz für Neues, das dann das Leben bereichert und die eigene Entwicklung nicht bremst.
Wer gefühlsmäßig an Altem hängt und dabei bleibt, ist zum Beispiel nicht in der Lage, sich neu zu verlieben oder neue Wege im Beruf einzuschlagen. Genauso ist es bei Kindern. Wenn man sie nicht loslässt, können sie sich nicht zu selbstständigen und freien Menschen entwickeln, die ihre eigenen Fehler machen können und dürfen und müssen.“

Die Übung „Loslassen“ finden Sie zum Testen übrigens hier:
http://birgit-ebner.blogspot.com/

Loslassen ist also immer ein Abschied. Wenn ich loslasse, verabschiede ich mich im Guten. Manchmal trauere ich einen Augenblick. Auch das gehört dazu.
Im Groll den Abschied zu beschließen funktioniert nicht. Ich würde ewig nachgrübeln und mich gedanklich an eine Situation ketten, die mich und meinen Weg bremst. Loslassen ist also auch hinnehmen. Etwas so zu belassen, wie es ist, es nicht mehr ändern zu wollen und die Energie und den Fokus auf das zu legen, was vor einem liegt.

Die Aufgabe ist nicht, diejenigen, die bleiben zu verändern, damit sie mit können oder um ihre Akzeptanz zu kämpfen. Vielmehr ist es wichtig, einen Teil hinter sich zu lassen und einen Schritt nach vorne zu tun. Lässt man nicht los, kämpft man und verbraucht Energien, die anderweitig besser investiert wären. Und wer mag schon ewig andauernde Kämpfe?

Ich wurde quasi zum Pazifisten in Sachen Kampf um Anerkennung und Akzeptanz. Mir ist es wichtig, friedlich loslassen zu können. Im Guten an das zu denken, was war, die Vorteile zu sehen und den Entwicklungsschritt, den ich machte und die Phase zu sehen, die vor mir liegt. Das gibt mir die Kraft, meinen Weg weiter zu gehen. Ich empfinde das Leben ein Stück leichter, wenn ich mich verabschiede. Vielleicht, weil in diesem Prozess auch die Belastung selbst beseitigt wird. Und das ist gut. Für die Seele und den anstehenden Schritt nach vorne.
Loslassen ist immer Abschied. Aber auch ein Schritt in neue Perspektiven und manchmal neue Lebensabschnitte.

Loslassen

Es ist ein Abschnitt des Lebens,
der zu Ende geht,
wenn du loslässt.
Dein Leben wendet sich,
schenkt dir neue Perspektiven.
Zurück bleibt ein Teil,
der dir nicht folgen kann.
Verabschiede ihn.
Halte einen Moment inne
und betrachte das Positive.
Nimm Abschied im Guten,
lass dich von ihm weitertragen.
Geh einen Schritt nach vorne,
sieh in die Zukunft
und stell fest,
dass du nichts mehr tun kannst
für die, die zurückbleiben.
Sie können nicht mehr mit dir gehen,
sehen dich in neuem Licht.
Lass sie los,
friedlich,
geh weiter,
und begrüße das, was neu ist.
Gestärkt und voller Kraft.
Dann hast du losgelassen.
In diesem Sinne, lassen Sie auch mal los!
Herzlichst
Birgit Bauer
Achtung:
Das Copyright der Texte liegt bei der Autorin.
Vielen Dank an Birgit Ebner für die Unterstützung mit eigenen Worten und Textpassagen.
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