31 März 2011

Fastenzeitgedanken

Vom Innehalten

Manchmal rennt man fast blind durchs Leben. Hetzt von Termin zu Termin und gönnt sich nur wenig Zeit für sich. Weil ja alles immer sofort passieren muss.
Viele Menschen hängen wie kleine Vampire an der Seele und saugen Energie ab und verlangen immer mehr. Je mehr man geben kann, desto mehr muss man geben. Je flexibler man sich bei manchem Zeitgenossen zeigt, umso mehr Leistung wird abgerufen.
Weil ja immer alles sofort passieren muss und ich weiß, dass ich mich an dieser Stelle wiederhole.
Aber es ist doch so, kaum möchte jemand etwas, möchte er es sofort. Ohne Umwege auf Start, nicht über Los und keine Zeitgelder einziehen sondern loslegen. Sofort.
Am Ende hängt man dann irgendwann ausgelutscht in den Seilen, fährt Gedankenachterbahn und kriegt die Kurve nicht mehr, weil man zu erschöpft und überladen ist mit dem, was einem so aufgetragen wird.
Was bringts?
Gut, ich muss zugeben, manchmal geht es einfach nicht anders, da treffen Ereignisse aufeinander und müssen parallel abgewickelt und erledigt werden und dann muss das auch aushalten. Aber immer ist das ja nicht der Fall. Eigentlich könnte man gut und gerne auch einmal Innehalten, weil das Zeitfenster eigentlich öfters da ist, als man denkt.
Doch in den Zeitlöchern denkt man weiter und weiter und weiter und weiter und wenn man doch schon Zeit hat, dann könnte man noch da und dort das eine oder andere Teil abarbeiten oder nicht? Damit man mal ganz viel Zeit hat.
Das Fatale ist aber, dass dieses Zeitsparen nicht richtig ist. Man schiebt Zeit auf, das stimmt, aber bis wann? Und warum? Wenn man doch einfach so für eine Stunde die Zeit einfach vergehen lassen kann, sich Gutes tut und sich für eine Musestunde entscheidet, sollte man das auch tun.
Denn, aufgeschobene Zeit ist nicht wirklich gespart. Sie füllt sich, wenn man nicht aufpasst, mit anderen Dingen und Aufgaben und fragt nicht weiter oder erinnert den Zeitkontobesitzer daran, dass er eigentlich mit dem großen Haufen aufgeschobener Zeit eine etwas längere Pause machen wollte.
Und dann? Sehnt man sich wieder nach freier Zeit, hat sie aber nicht. Weil man ja gespart hat und so die wertvollen Pausen in ein schwarzes Loch fielen, das leider geschlossen wurde.

Die Folge, man merkt erst dann, wenn es zu spät ist, dass man Zeit falsch gespart hat, erkennt, was man in all der Hektik übersehen hat und manchmal bleibt die Frage nach dem "Warum?" irgendwie offen.

Als ich mich vor einigen Monaten fragte, warum ich nicht einen Moment pausierte, als ich ihn wirklich hatte und bemerkte, was mir so entgangen war, entscheide ich mich für diese Augenblicke ganz bewusst, schaue mich um und erfreue mich am Leben selbst, an dem, was so um mich herum passiert. Ich bin wieder aufmerksamer, kann eigene Gedanken spinnen und mich leichter entscheiden.

Ich liebe sie, diese umschauenden Momente, die so ganz und gar nicht vertan sind, auch wenn ich nichts gemacht habe. Seither bin ich entspannter und habe gelernt, dass auch der anhänglichste Vampir mit Gelassenheit gut umgehen und auch warten kann.

Innehaltende und umschauende Grüße
Birgit Bauer
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