11 August 2011

Eisberge, ein Duomo und komische Ponchos

Ist man in Italien, isst man in Italien. Sozusagen.
Ich finde ja, man kann sich auch über Genüsse einem Land extremst annähern. Etwas, das ich gerne tue, so als Genießerin. :-) .

Das beste Eis fand ich in Siena. Neben der Uni. Dort, in einem kleinen Eisladen waren es ausgelöffelte Bottiche, die mich anzogen. Und ich behielt Recht.
Pistazieneis, das wirklich nach Pistazie schmeckt, mit ganzen Knusperkernen und cremig zart tröpfelte es mir über die Finger und in meinen Mund. Dazu gesellte sich Zitrone. Fruchtig und frisch, wie ich es bisher noch nicht genossen habe. Ein  kalter, saurer Schauer jagte mit Genuß über meinen Rücken und ich fand es klasse. Leider bin ich jetzt für immer verdorben, das Eis in Deutschland schmeckt mir nicht mehr. Vor allem vermisse ich die Kerne, das Knusper und die kleinen Schalenstücke im Zitroneneis.

Kommen wir zu einer weiteren Leidenschaft. Kirchen.

Ich finde, es gibt tolle Kirchen in Italien. Zwei davon fand ich in Siena. Die Basilika des heiligen Franziskus hat mich am meisten begeistert. Sie scheint unendlich hoch zu sein und der hölzerne Dachstuhl, der alles trägt, ist der Beweis für wahre Handwerkskünste. Dazu kommt, dass diese Kirche so groß ist, dass man nur einen kleinen Teil mit Bänken ausgestattet hat. Das Kirchenschiff selbst ist groß und leer und faszinierend. Im dämmrigen Licht taucht man ein in eine Atmosphäre, die wohltuend ist. Ein Ort, an dem sich die Stille wie Balsam um die Seele legt.

Die zweite Kirche war dafür umso umlaufener. Der geringelte Dom zu Siena ist ein wundervolles und kunstvolles Bauwerk. Doch es wimmelt dort von Menschen aus allen Teilen der Erde.


Wer nun in Italien schon einmal geurlaubt hat, der weiß auch, dass man in Kirchen angemessen angezogen erscheinen sollte. Zumindest die Schultern sollten bedeckt sein. Sprich T-Shirt an oder einen Schal in die Handtasche.

Man verlangt ein wenig Respekt. In Italien, das stellte ich wiederum in der kleinen Ortskirche in Greve in Chianti erneut fest, wird Glauben gelebt. Überzeugter, inniger, selbstverständlicher. Man kommt vom Bäcker oder dem Obstmann und spricht ein kleines Gebet, das Kind auf dem Arm und das Mittagessen schon in der Tasche widmet man sich fünf Minuten sich selbst. Etwas, das ich für mich auch angenommen habe. Allerdings eher in der freien Natur.
Zurück in den Duomo. Eine Reisegruppe kam und war verblüfft. Der Ordner ließ sie nicht in den heiligen Bau. Obwohl sie eine Eintrittskarte gelöst hatten. Denn, auch Kirchenbesuche  kosten richtig Geld in Italia. Der Duomo in Siena ist es aber wert!

Besagte Gruppe, besser gesagt, die Damen der Gruppe, waren leicht angesäuert und zickten herum. Viele der Ladies hatten Sonnenbrand, andere wiederum meckerten, dass jedes Stückchen Stoff mehr zu viel des Guten sei.

Der Reiseleiter zückte wissend und grinsend den Schirm, alle folgten und landeten in der Ponchoschlange. Dort händigte man den zu leicht bekleideten Damen einen dünnen Poncho aus Zellstoff aus.
Danach erklärte man, dass die Damen sich das edle Stück kleidsam um Schultern oder auch um die Hüfte zu drapieren hatten. "No Sightseeing in Church without this", erklärte der italienische Wachmann und schaute entschlossen.



Die Damen hüllten sich folgsam ein und verschmolzen mit anderen Ponchoträgerinnen, die ebenfalls not without this in die Kirche eintreten durften, zu einer Masse weißwabbernder Zellstofffetzen, die nur darauf warteten, abgeworfen zu werden.

Wir schmunzelten und fanden uns in kürzester Zeit von weißen Ponchos umzingelt, denn, es scheint sich selbst nach Jahrzehnten des Verhüllens noch nicht wirklich überall hin herumgesprochen zu haben, dass so ein T-Shirt oder ein selbst mitgebrachter, attraktiver und luftiger Schal, wirklich eine tolle Sache in der Handtasche einer Dame sind. Vor allem, wenn man in Kirchen geht. 

Das Ponchobild wurde leider nichts. Es ist schrecklich wackelig. Was an meinem Lachanfall in jener Minute gelegen haben dürfte. Denn die Ponchogruppen waren wirklich sehenswert. Der Dom natürlich auch, deshalb gibts auch ein kulturell sehenswertes Bild der Kuppel des Gemäuers.

Schmunzelgrüße und gell, nicht vergessen, ein Kommentar über Ihre Ferien wäre sehr genial und freut mich!

Birgit Bauer

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