10 August 2013

Das Dings mit der Kommunikation ... oder wann Omas Rat hilfreich ist.

Die Menschen reden schon seit Anbeginn der Zeit. Sie gestikulierten und entwickelten aus grunzenden Urlauten Sprache.

Aus der Sprache, also der Begegnung, entwickelten sich gewisse Umgangsformen. Ein Gruß, ein Lächeln, die Frage, ob man helfen kann oder auch ein Danke, ein Bitte, oder auch einfach die Hilfsaktion selbst.
Schon meine Oma erklärte mir die Grundregeln des höflichen Umganges miteinander. Sie fand immer, dass ein Gruß nie schadet, ein herzliches Danke immer hilft und ein "Kann ich helfen?" durchaus Freunde macht. Sie erklärte mir, dass ein "Bitte" Türen öffnet, eine kleine gute Tag pro Tag nie schadet und dass man sich schon Freunde macht, wenn man aufmerksam ist und zeigt, dass man da ist.

Einfache Regeln oder? Und so wirksam ...

Sie werden jetzt den Kopf schütteln. Was die Bauer so schreibt? Faselt über das "Miteinander reden" und Höflichkeit. Eine Sache, die doch selbstverständlich ist. Glauben Sie! Ich sehe das anders.

Wir reden ja nicht nur im realen Leben miteinander. Es hat sich im Laufe der letzten Jahre eingebürgert, auch in virtuellen Leben miteinander zu kommunizieren. Wir tippen auf Tastaturen unsere Botschaften in die virtuelle Welt, verbreiten wischend über Smartphones und Tablets unsere Weisheiten und informieren alle darüber, wie es uns geht. Wir kommunizieren.

Meistens zumindest. Dann bedienen wir uns üblicher Umgangsformen. Wir begrüßen die Welt, schicken Grüße um den Globus und haben Spaß daran, mit anderen zu lachen. Wir helfen mit Retweets, geben Followerpower, teilen Informationen weiter, verschenken Umarmungen, unterstützen andere, indem wir ihre Fragen in die Welt senden und selbst wenn gerade nichts ist, irgendwas ist dann doch immer und wir sind aktiv.

Man nennt das auch interaktiv sein. Interaktivität geht nur miteinander. Interaktivität braucht zwei Seiten. Sobald jemand nur Infos absetzt, aber nicht interagiert, wird er nicht mehr beachtet. Er wird ignoriert. Diese Ignoranz rührt von der nicht vorhandenen Aktivität, die die User gerne übel nehmen.

Und jetzt sind wir beim Kern des Problems: Im realen Leben lieben sie es, miteinander zu reden, quasseln Kunden nieder, erläutern Projekte und fühlen sich toll. Sollen sie diese Verhaltensmuster im sozialen Mediennetz fortsetzen, werden sie zu stummen Mitteilern. Stumm deshalb, weil ausser Werbung und Informationen nichts kommt. Kein Support für die Leser, kein Gruß, kein Danke und auch sonst keine Urlaute. Noch nicht mal ein Grunzen. Sie halten es schlicht nicht für nötig. Böser Fehler.

Dann passiert das, was keiner mag: Man gerät in Vergessenheit. Schlimmer noch, man wird ignoriert. Und das nur, weil es an Höflichkeit fehlt.
Aber ein wenig Manieren gehören eben auch zur Kommunikation. Sie helfen am Ende mit, das, was man zum Ziel ernannt hat, zu erreichen: ein aktives Netzwerk, das unterstützt, aufmerksam ist, teilt und da ist.

Wer interagiert, präsent ist und sich bewusst macht, dass Social Media nicht nur ein "In - Instrument" ist, das man haben muss, weil man eben in sein will, sondern weil man wirklich interessiert an der Kommunikation selbst ist. Und die funktioniert eben nur, wenn zwei Seiten aktiv sind.

Wer aber nicht versteht, wieso es wichtig ist, mehr als einige kümmerliche Tweets in einigen Wochen abzusetzen und für den Rest der Zeit schweigt, um sich dann bitter zu beklagen, dass das sowieso alles nur Humbug ist, der sollte sich noch einmal mit dem Wort Kommunikation auseinandersetzen und vielleicht noch einmal bei Oma vorbeisehen, die sicherlich noch weiß, wie ein Handshake aussehen kann ....

Also: zurück zur Oma und damit vorwärts in die virtuelle Zukunft oder als unhöflicher Muffel abgestempelt in einer lausigen Ecke zurückgelassen, während der Rest der Welt tatsächlich auch Spaß in den sozialen Medien hat.


Copyright by Birgit Bauer 2013
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