21 März 2014

Web 2.0 ist auch nur ein Sandkasten

"Mei", sag ich neulich zu jemandem, der es gar nicht fassen konnte, dass nichts auf seinen zahlreichen Accounts in den sozialen Netzwerken passiert und keiner mit ihm spricht. "Ein Account ist nur der Anfang. Ihn nur zu haben reicht nicht!"

Die Reaktion: große Augen und Erstaunen.

Meine Reaktion war ähnlich.

Ist es nicht tägliche Mission zahlreicher internetter Social Media Strategen, Professionals und Experten zu erklären, dass ohne Interaktion gar nichts passiert? Ist es nicht unser tägliches Mantra, das wir uns gleich nach dem Aufstehen mit dem Kaffee einspülen sollten, dass wir ohne Interaktion keine Chance auf Spiel, Spaß und Aufmerksamkeit haben?

Ist es nicht eine alte Weisheit? Es ist wie eine Durchsage im Kaufhaus oder auf Flughäfen: „Der kleine Accountinhaber möchte bitte aus dem Social Media Sandkasten abgeholt werden, er ist traurig weil niemand mit ihm spielt!“

Das erstaunt mich immer wieder, das Phänomen der Erkenntnis, dass das pure Eröffnen eines Accounts nicht ausreicht, um wirklich sinnvoll Kontakte zu knüpfen und das eigene Unternehmen zu präsentieren.

Was ist also passiert?

Blicken wir in die Vergangenheit. Alles begann mit Web 1.0. Wie der Name schon sagte, einseitige Information. Einseitig. Unternehmer schrie seine Botschaft raus. Fertig. Jeder popelte an seiner Sandburg herum und war zufrieden, wenn er etwas von sich geben konnte. Dass etwas zurückkam von den anderen Burgherren, erwartete man gar nicht, dabei ist der Mensch doch ein kommunikatives Wesen.
Aber es entwickelte sich.

Es kam Web 2.0. Der Name weist schon darauf hin. Zwei. Zweiseitig. Dialoge entstanden, weil der Platz für richtige Kommunikation geschaffen wurde. Einer sagte etwas, der andere gab ebenfalls Gedanken und Ideen dazu, äußerte sich. Auf einmal baute man gemeinsam an Sandburgen, teilte Sandkuchen, brachte die Deko mit und wurde richtig sozial.

Die sozialen Netzwerke entstanden, Blogs, Twitter, Facebook und die Entwicklung hat bis heute nicht aufgehört und wird nicht aufhören. Denn, der Mensch möchte kommunizieren. Zumindest die meisten. Deshalb haben sie auch Accounts in den sozialen Netzwerken. Nicht, weil  man gehört hat, dass es „In“ ist. Nun, „In“ sein, das ist das Eine. Das Andere aber ist, zu zeigen, dass „Es“ lebt.

In meinen letzten Blogbeiträgen schrieb ich vom Leben hinter den Unternehmenskulissen und dem Blick dahinter. Übers Reden. Und das sollte man, wenn man wahrgenommen werden möchte.  Nur ein „Juhu, ich bin jetzt auch da!“ mit anschließendem Schweigen hilft nicht weiter. Es sorgt für eine kleine Begrüßungswelle und wenn dann  nichts mehr kommt, ist es auch schon vorbei mit dem Kontakt.

Es reicht nicht, sich in den Sand zu setzen, einige Sandkuchen mit Gänseblümchendekor zu backen und zu hoffen, dass jemand sie möchte.



Man muss ein Zeichen geben, dass man da ist und mehr von sich geben.  Man könnte auch eine Tüte Bonbons (nette Kommentare für die anderen) mitbringen und sie teilen, das ist sympathisch. Ebenso so sympathisch ist es, anderen dabei zu helfen, ihre Sandburg zu bauen. Der Vorteil ist, man kann ihnen dabei ein wenig auf die Finger schauen und sich die eine oder andere Technik abgucken. Eine andere Möglichkeit ist auch, andere zu fragen, ob sie nicht helfen könnten, damit aus dem Bauwerk ein richtiges Kunstwerk wird.

Schaut man sich Kinder auf dem Spielplatz an, tun sie das. Klar ist manchmal auch Alarm angesagt, wenn der Bagger des einen schicker ist als der des anderen oder die Schaufel größer ist als die eigene und wenn jemand auf den Sandkuchen latscht, ist natürlich die Bestürzung groß.

Aber am Ende reden sie miteinander, lösen Probleme, unternehmen etwas gemeinsam und lassen so viele Aktionen stattfinden.  Der, der nur da sitzt und nicht mitmacht, bleibt außen vor und langweilt sich, bevor er verärgert nach Hause muss, während die anderen begeistert von den Erlebnissen sind, neue Freunde fanden und wissen, wie man eine Burgauffahrt richtig gestaltet.
Wenn sie sich am nächsten Tag wiedertreffen, ist das Hallo groß, es wird wieder gemeinsam gewerkelt. Die Gesellschaft bewegt sich weiter. Und lässt den schweigenden Spielgefährten der doch möchte, aber irgendwie den Dreh nicht versteht einfach zurück. Ohne ihn zu informieren, was sie denken, über ihn möglicherweise reden oder ihn an Aktionen zu beteiligen. Wie denn auch, wenn er nicht ein Zeichen gab und mitmacht.

Der Anfang fällt oft nicht leicht. Dabei ist es eigentlich ganz einfach.  Allerdings, manchmal sind es die einfachen Dinge, die komplizierter erscheinen, als sie sind. 
Unterstützen können auch Sandspielexperten  (Social Media Spezialisten) wie ich, die die Regeln im Web 2.0 Sandkasten erklären können.  Jedoch ist es wichtig, mitzulernen um selbst aktiv werden zu können, wenn die Sandspielunterstützung geht.

Zugegeben, es kostet Mühe und Zeit sich das Vertrauen und die Aufmerksamkeit zu erarbeiten. Das ist eine Aufgabe, die alle lösen müssen. 
Aber aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Es macht zunehmend Spaß, wenn sich die ersten guten Kontakte einfinden und erste Netzwerkerfolge zeigen.

Deshalb ein Account ist gut, mitreden ist besser.

Und über Netzwerkerfolge, Visitenkartensammlungen, die nur dann nutzen, wenn man damit arbeitet und sie richtig verwaltet und mehr reden wir demnächst! :-) 

Herzliche Grüße!
Birgit Bauer
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