18 April 2013

Miese Schnüfflerbrut!



Die Welt ist bewundernswert. Der Mensch ist es. Er ist gebildet und weiß Bescheid ohne wirklich Bescheid zu wissen. Manchmal redet sich der Mensch die Welt farbenprächtig und ist doch blind. Er farbsimpelt über Fachliches und kenn nur Schwarz oder Weiß. Vielleicht noch Grau. 



Deshalb ein Kommentar aus der Reihe „Was die Welt alles weiß!?“

Journalisten schnüffeln gerne. Klar ist, dass  kein Geheimnis bewahrt und das, was heute erzählt wurde, morgen schon großzügig verbreitet wird.
Information ist wichtig und hat oberste Priorität. Egal ob sie wichtig ist oder jemanden interessiert. Die Welt will informiert werden, also informieren wir sie. Und Journalisten beherrschen diese Aufgabe meisterlich. Hörte ich neulich am Biertisch, als ich wieder einmal nur still beobachtete. "Miese Schnüfflerbrut", hörte ich da und beobachtete das Geschehen.

Vermeintlich gut informierte Kreise behaupten, dass Journalisten im Allgemeinen eher faul sind. Alles nur Pressemitteilungskopierer, keiner schreibt mehr selbst. Gelangweilt sitzt die Journalistenmeute in den Redaktionen und wartet. Und wenn es langweilig wird, geht man auf einen Kaffee inklusive Keks. Auch besser bekannt als wichtiges Meeting.

Ein weiteres Bonbon sind die Rabatte, die man bekommt. Gar haufenweise knallt einem das Leben Vorteile in den Schoß. Was für ein entspanntes Dasein. Warten auf was auch immer zwischen Schreibtisch, einem rabattierten Luxusleben inklusive schlauer vorgefertigter Texte, Gespräche, Keks und Kaffee.

Die wichtigsten Eigenschaften, sind, will man es denn glauben: aufdringlich, impertinent, anzüglich und lästig. Das eigentliche Handwerk wie saubere Recherche und das Schreiben von Reportagen, Features, Meldungen oder Glossen ist absolute Nebensache. Genauso wie ein durchdachtes Führen von Interviews, die man so lenkt, dass man sich sicher verplappert und das Vermeiden von Verlautbarungen.

Klar doch! Alles gut so! Wie ich das mache? Meine mir zugewiesenen Fähigkeiten nutze ich für Intrigen und bin ich mit allen fertig, zerlege ich das Gehörte am nächsten Morgen per Gerüchteküche in einem scharfen Wortsüppchen das es in sich hat. Ich halte einen Bestand an kleinen Püppchen vor, handgestrickt versteht sich, weil Frau sich ja beschäftigen muss, in die ich meine Wortspitzen bohre. Mein Gift blase ich durch Worthülsen und treffe damit zielsicher. Immer. Wer nicht mag, wird gezwungen, wer sich spreizt, hat ein Problem. ;-)

Ja, ich bin Journalistin und sozial medial noch dazu. Ich kann schon auch lästig sein, das gehört manchmal schon zum Geschäft. Aber ich weiß, wo meine Limits sind. Vergraulen will man niemanden, wir Journalisten brauchen die Menschen, wie Menschen Journalisten brauchen. ;-) 

Ginge es aber nach den geschilderten farbenprächtigen Klischees, die mancher Mitmensch liebend gerne von sich gibt, ohne sich der Wirklichkeit zuzuwenden, wäre ich wohl die mieseste Plaudertasche des Jahres. Mit Rabatt. Versteht sich.

Aber es ist so und wie immer: 

Die Welt weiß immer mehr über einen als man selbst über sich weiß. Es ist erstaunlich wie sicher sich so mancher ist, was seine Behauptungen angeht. Und das ohne Recherche, Absicherung und einem Blick auf die farbigen Fakten und Einzelschattierungen. Bewundernswert! Und so farbig! Im Ernst! ;-) 





Copyright Pictures and Text by Birgit Bauer 2013

19 März 2013

Meine tägliche Ration Ausmisten gib mir heute: Ich kanns nicht!

Ja, man möchte meinen, das Ausmisten wäre immer eine sehr einfache Sache. Bisher habe ich das tatsächlich gedacht. Es flogen Papier, noch mehr Papier, noch mehr  Papier und dann flogen Klamotten, fliegen übrigens noch, abgetragene Schuhe, noch mehr Papier. Ich fühlte mich wohl, erleichtert. Und ich wunderte mich. Was sich so ansammelt, ist eine Menge und wieso mans aufhebt? Kann man beim Gang zur Tonne nicht mehr nachvollziehen. Es ist einfach da.

Doch jetzt stehe ich an der Grenze. Mein Lieblingsmodemagazin hat sich angesammelt. Die ganze Zeit rede ich vom Gang zur Tonne. Und kann nicht. Liebevoll gehegt und gepflegt, zur Trendnachschau oder dann, wenn Trends wieder kommen, ist es mir ein wirklich guter Begleiter. Und ich sammle nicht erst zwei Jahre, sondern etwas länger. Ich konnte Landmagazine entsorgen, ausgenudelte Kochmagazine fanden auch ihren Weg, nachdem sich vieles wiederholte und auch Fachmagazine mit längst überholten Social Media Infos oder Tarifverträgen für Freiberufler, fanden ihren letzten Weg.

Bis auf die Sammlung mit dem Modemagazin. Ich kanns einfach nicht. Mittlerweile ist es ein Lexikon der Mode geworden und muntert mich immer wieder auf und hilft sogar bei der Recherche. Es ist ein guter Freund, den man nicht einfach zur Seite stellen kann, es ist manchmal Inspirationsquelle, die sanft vor sich hinplätschernd zum  Anfassen im Regal steht und gerne genutzt wird. So etwas knallt man nicht in die Tonne. Oder?

Und ich glaube, ich war so gut, dass ich es behalten werde. Beim letzten Ausmisten fielen sogar leere Standordner ab. Sie werden das neue Zuhause für die Modelektüre aus den vergangenen Jahren. Nach Jahrgang geordnet und schön ins Regal drapiert werde ich mein Lieblingsheft behalten.

Vielleicht klappts ja ein anderes Mal! Dafür tausche ich gegen weiteres Papier aus der Ecke "Guter Rat kann so anhänglich sein" und dem Genre "Du wirst das nie wieder nachkochen". Oder so.

Wer mistet noch aus und hat ähnliche Trennungsschmerzen?

13 März 2013

Schatz, das gibt der Stundenplan nicht her!



Zur Zeit mache ich eine Weiterbildung über 14 Monate in Sachen "Journalismus". Ein Bestandteil dieser Ausbildung ist die Möglichkeit, sich so genannte "Soft Skills“ zu erarbeiten. „Soft Skills“ werden auch als „weiche Eigenschaften“ bezeichnet. Sie umfassen Themen wie Teamfähigkeit, Motivation oder auch Zeitmanagement. Besonders den letzten Punkt finde ich mehr als spannend. Denn, ja: Zeit muss man managen.

Mit gesundem Menschenverstand und Blick auf alle Aufgaben. Es gibt ein Kontingent von 24 Stunden und basta. Mach das Beste draus, ist die Botschaft.

Ich bin Meisterin des Plans, zumindest dachte ich das bisher und habe auch alles, was anstand vernünftig erledigt. Jetzt wieder zu Lernen ist eine (wenn auch zeitlich begrenzte) Sache, die ich unterbringen muss und bisher sah ich darin keine Probleme. War ich doch der Meinung, dass eine Weiterbildung per "Fernstudium" durchaus dafür geeignet ist, im eigenen Zeitsystem zu arbeiten und Spaß beim Lernen zu haben.

Doch dieses Mal ist alles anders. Eine Aufgabe, die man mir vor Beginn stellte war:

Stellen Sie einen Stundenplan auf.

                                                                 Bild: Gerd Altmann, pixelio.de


Zunächst las ich motiviert in der dazu gehörenden Broschüre die Möglichkeiten, ergründete meinen Lehrntyp (kreativ, visuell und anpackend) kam aber schnell zum Schluss, dass es Lücken im Stundenplansystem gibt. Ich las von leichter Hausarbeit, die man mir für Pausen vorschlug. Amüsiert dachte ich darüber nach, dass ein wenig Abstauben nicht schaden könne, in 90 Minuten ist das ein Klacks.

Was mir nicht klar war: es gibt offenbar nur leicht. Das Wort der Stunde.
Feudeln gegen Katersouvenirs, Haarbommel oder die Fenster sind nicht eingeplant. Gut, wer putzt schon gerne die Fenster, dachte ich und war froh, dass man mir auch vorschlug, zwischendurch eine Tasse Kaffee zu genießen und auch Mahlzeiten einplante.

Allerdings hatte man vergessen, dass man Essen kaufen, einlagern,und noch zubereiten muss. Als Teilzeitprofihausfrau kann ich das, aber leider passt es nicht in den vorgesehenen zeitgemanagten Stundenplan, der die weichen Fähigkeiten wie tröstliche Mahlzeiten für die Familie zuzubereiten nicht vorsah.

Dafür plante man aber die Abgabe meiner Hausarbeiten und Prüfungen, ordnete Stoffwiederholungen an und wann ich Lehrmaterial kaufen könne. Falls ich mir das dann leisten konnte. Denn das Verrichten von fair bezahlter Arbeit wurde nicht erwähnt und passt eigentlich auch nicht ins Schema. Genauso wie Schlafen, Kontakt zur Außenwelt, Körperpflege und emotionaler Austausch mit dem Partner.

Ich sah mich schon an letzten Papierfetzen nagend, unausgeschlafen und dem Stundenplan hinterher hechelnd einsam und allein zur Einsiedlerin werden. Eine zerfledderte Frau, die nach Plan zertifiziert Zeit planen kann und einsam vor sich hin müffelnd mit verklebten Haaren weitab jeglicher Realität auf die nächste Zensur wartet und sich über die neuen Soft Skills freut.

Eine Vorstellung, die mir weniger gefällt. Ich kann nämlich vom gepriesenen Zertifikat über meine Soft Skills nicht leben. Papier schmeckt nicht und bis mir das Pamphlet vorläge, wäre ich bestimmt längst verhungert. Oder so.

Eigentlich hatte ich das „Fernstudium“ genau aus dem Grund gebucht, den man mir schmackhaft machen wollte: Ich wollte in meinem Takt und mit meinem Zeitmanagement arbeiten. Ich lerne nicht auf Kommando oder nach Stunden, sondern wenn Zeit dafür da ist. Natürlich setze ich mir selbst Fristen, um mit dem Lernen voran zu kommen und Prüfungen einzureichen, aber in meinem Takt. Denn: Aufträge lassen sich oft nicht planen. Sie kommen oft ungeplant, besonders, wenn man Journalistin ist. Und Soft Skills sind gut und schön, solange sie sich im wahren Leben umsetzen lassen. Denke ich. Ob ich irre?

Was solls. Ich werde nun verschärft mein Zeitmanagement in Ordnung bringen. Gelobe Besserung und habe auch schon eine genaue Vorstellung vom Ergebnis der Umsetzung der wirklich hilfreichen Vorschläge:

Ich werde mit Wollmäusen in der Mähne und mit meinem Staubwedel durch das Haus schreiten, mich an der leeren Kaffeetasse (ungeplantes Nachfüllen ist nicht!!) festhalten und in kleinen Entspannungspausen von 15 Minuten zusehen, wie Spinnen ihre Schlösser in meinen Zimmerecken kleben. Ich werde eine großartige Figur entwickeln, von meinen angefutterten Speckreserven leben und beim Lehrinstitut aus Gründen des Zeitmanagements (Arbeiten ist nicht vorgesehen, somit kommt keine Kohle) um großzügige Rabatte bitten, falls das das Zeitmanagement hergibt.

Und sobald mein Herzblatt nach einem frischen Hemd fragt, sich nach einer Mahlzeit erkundigt oder den sozialen Austausch pflegen möchte, würde ich verwirrt und mit großen Augen auf die leicht staubige Uhr in der Küche blicken, am Zertifikat lutschen und soft geskillt mit weiser Stimme sagen:

Schatz, das gibt der Stundenplan nicht her.
 

22 Februar 2013

Meine tägliche Ration Ausmisten gib mir heute. Das Nest mit den Strickheften ...

Wer mich kennt, der weiß, dass ich gerne und viel stricke.

Beispielsweise solche Dinge:

Das wurde eine Stola :-) 
Beim Ausmisten im Gästezimmer, das nun zum Bücherzimmer mit Schlafgelegenheit umgebaut wird, stieß ich auf ein Nest. Quasi ein Rudel uralter Strickzeitschriften fiel mir zwischen die Finger. Looks, die lange vorbei sind und mit Qualitäten gearbeitet wurden, die wir heute nicht mehr anrühren würden. :-) Amüsiert habe ich mich festgelesen und jede die das Nadelspiel beherrscht, wird jetzt aufschreien: Ich werde sie entsorgen.

Normalerweise hüte ich so etwas sehr lange und noch länger. Allerdings würde ich mir keinen der gezeigten Pullis arbeiten, ich entwickle oft selbst meine Anleitungen und Ideen. Ich sehe auf der Straße tolle Looks, finde schöne Muster oder lasse mich durch das Netz inspirieren. Daher war die Frage tatsächlich da: Brauchst du das wirklich?

Nein! Wenn ich aufrichtig und ehrlich bin. Meine wirkliche Sammlung an Kostbarkeiten lagert in zwei Kisten, schön nach Sommer und Winter sortiert und liegt mir sehr am Herzen.

Daher trenne ich mich ...

Der Vorteil: Platz für wichtige Ordner wird frei. Ich habe einen Archivplatz mehr zur Verfügung und erreiche in meinem Arbeitszimmer mehr Denkfreiheit. Und genau das ist das Ziel: Mehr Denkfreiheit durch Entlastung und ehrliche Antworten.

Von was trennt Ihr Euch?

Ach ja, mein "Alter" geht auch. :-)))) Der Bürostuhl, gemütliche Kuhle mit Kissen und perfekt für Lümmelstellung hat die Kündigung bekommen. Er ist nicht besonders gesund. Wenn auch heiß geliebt. Sein Platz ist jetzt durch einen sehr modernen, aber schicken und vor allem gesunden Bürostuhl für Vielsitzer gefüllt und ich bin froh über diese Entscheidung!

Grüße
Birgit


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